Sean Saves the World 1x01

Sean Saves the World 1x01

Ein von heute auf morgen alleinerziehender Schwuler mit nerviger Mutter und noch nervigerem Chef, der verzweifelt versucht ein guter Vater für seine 14jährige Tochter zu sein - das ist so ungefähr die Zusammenfassung der neuen NBC-Serie Sean Saves the World.

Drei der Hauptfiguren von „Sean Saves the World“: Lorna (Linda Lavin), Ellie (Samantha Isler) und Sean (Sean Hayes) / (c) NBC
Drei der Hauptfiguren von „Sean Saves the World“: Lorna (Linda Lavin), Ellie (Samantha Isler) und Sean (Sean Hayes) / (c) NBC

Als ich von den Serienjunkies diese Saison gefragt wurde, über welche neue Serie ich denn würde schreiben wollen, sagte ich, „ich nehme das was keiner sonst will“ - in der Hoffnung, die Geburt eines kleinen, verkannten Kleinodes mitzuerleben. Nach dem Piloten zu Sean Saves the World neige ich zu der Sichtweise, dass die erfahrenen Reviewer wussten, warum sie diese Serie nicht machen wollten. Aber vielleicht erstmal, worum es geht.

Schwuler Mann wird Vater

Der homosexuelle Wochenend-Vater Sean (Sean Hayes) sieht sich plötzlich durch den Wegzug seiner Ex-Frau für seine Tochter Ellie (Samantha Isler) als Vollzeit-Dad verantwortlich. Die stammt noch aus vor-comming-out Zeiten und erscheint eigentlich recht handzahm. Seine eigene Mutter Lorna (Linda Lavin) hingegen, die ab und an als Babysitter einspringt, ist zynisch und nervig, gibt aber an strategisch wichtigen Stellen doch die sehr einsichtige Vertraute.

Von Beruf ist Sean Manager bei einem Teleshoppingsender und muss sich nicht nur mit dem mehr als unsympathischen Chef Max (Thomas Lennon) rumschlagen, der seine Leute ganz offensichtlich ausbeutet und einen Vogel als Familienersatz hat. Nein, auch die Kollegen Hunter (Echo Kellum) und Liz (Megan Hilty) sind nicht die hellsten Kerzen auf der Torte.

Im Piloten ging es dann um die Frage, ob Sean pünktlich zum Dinner nach Hause darf oder nicht. Und das war es auch schon.

Neues Wasser im Retro-Look

Man sollte eigentlich meinen, so eindimensionale Serien würden der Vergangenheit angehören - Serien wie How I Met Your Mother packen in 20 Minuten gerne mal bis zu drei Handlungsstränge an. Hier reichte es gerade mal zu einem. Dafür werden aber nach spätestens jeden dritten Satz die Lacher vom Band eingespielt. Und zwar so penetrant, dass es geistig nicht mehr auszublenden ist. Überhaupt Vergangenheit: Vor 20 Jahren wäre diese Serie unglaublich innovativ und tabubrechend gewesen. Heutzutage wirkt Sean Saves the World als wolle man schnellschnell noch auf den „Homosexuelle sind auch ganz tolle Eltern“-Zug aufspringen. Was Modern Family Erfolg gebracht hat, sollte doch auch in abgespeckter Version funktionieren - tut es hier aber nicht.

Dabei wirken nicht nur die Machart, sondern auch die Charaktere einfach nur antiquiert, klischeehaft und vor allem „schon mal dagewesen“. Fast jede der Hauptfiguren hat sein Äquivalent in einer erfolgreichen amerikanischen Serie aus vergangenen Tagen.

Sean erinnert extrem stark an den ebenfalls plötzlich alleinerziehenden, analfixierten und doch auf seine Art sehr liebenswerten Danny Tanner aus Full House. Er sieht ihm sogar äußerlich ähnlich und arbeitet ebenfalls beim Fernsehen.

Ellie hingegen hat mit ihrer ganzen Art, innerlich wie äußerlich, ganz stark was von Samantha Micelli aus Who's the Boss? - einer erfolgreichen Sitcom, die in den 90ern des letztens Jahrhunderts spielte, und in der ein Ex-Baseballprofi bei einer erfolgreichen Werbeagenturchefin den Haushälter gibt. Samantha wurde von der jungen Alyssa Milano dargestellt.

Ebenfalls in dieser Serie trat das Vorbild für Lorna auf. Mona Robinson heißt dort die sehr lebenslustige, ältere Dame, die ihrem erwachsenen Kind an Lebensfreude und Sex viel voraus hat. Und auch Lorna und Mona sehen sich nahazu frappierend ähnlich.

Max hingegen hat sein Vorgänger in jeder einzelnen Sitcom, in der ein sadistischer Arbeitgeber vorkommt. Er ist so schmierig und ekelhaft wie es ein Klischee nur sein kann. Bis hin zu seinem Haustier, das er mehr liebt als jeden Menschen.

Hunter ist vor allem Angehöriger einer Minderheit, opportunistisch und mit einem fast unverständlichem Akzent gesegnet, was man eigentlich in der Mottenkiste der Fernsehgeschichte wähnte. Zu Liz mit ihrem Blondchen-Getue fällt einem da nicht mehr wirklich was zu ein.

Und genauso, wie die Charaktere aufgestellt sind, spielen sie auch - alles wirkt unglaublich gestelzt, bis auf ein oder zwei nette Gags haben die Pointen einen Bart von hier bis Hollywood und sind samt und sonders vorhersehbar.

Fazit

Alles in allem waren die 20 Minuten Laufzeit des Serienpiloten zu Sean Saves the World zwar nicht die längsten meines Lebens, aber sie zogen sich wie Kaugummi. Nun geht man ja gemeinhin davon aus, dass ein Pilot schlecht zu sein hat, damit sich die Serie entwickeln kann. Von daher besteht vielleicht noch Hoffnung, dass sich die Serie am eigenen Schopfe aus dem Sumpf reißt - zumindest hat man doch sehr viel Spielraum nach oben gelassen. Und die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Verfasser: Sabine Stevenson am Freitag, 4. Oktober 2013
Episode
Staffel 1, Episode 1
(Sean Saves the World 1x01)
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 3. Oktober 2013 (NBC)
Regisseur
James Burrows

Schauspieler in der Episode Sean Saves the World 1x01

Darsteller
Rolle
Megan Hilty
Liz
Samantha Isler
Thomas Lennon
Max

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?