Die singenden Lebensmittel haben ihr Haltbarkeitsdatum überschritten - Kritik zur Amazon-Prime-Animationsserie „Sausage Party: Foodtopia“

© Prime Video
Die größte Sünde, die eine Comedyserie begehen kann, ist nicht lustig zu sein. Leider trifft dies auf die Lebensmittel-Animationsserie Sausage Party: Foodtopia, die am 11. Juli bei Amzon Prime Video weltweit gestartet ist, größtenteils zu. Es handelt sich um ein achtteiliges Sequel zum Film „Sausage Party“, der mit R-Rating 2016 über 140 Millionen US-Dollar an den Kinokasse einspielte und damals auch mich und meine Begleitung oft genug mit seinen Anzüglichkeiten, Doppeldeutigkeiten und Food Puns zum Lachen brachte. Deswegen wundert man sich beim Anschauen dieser acht Folgen, was eigentlich diesmal geschehen ist.
Die meisten Beteiligten sind nämlich weiterhin an Bord. Besonders was die stimmliche Performance im Original angeht.
Allerdings dachte ich ähnliches auch bei meiner Pilotbesprechung zu „Ted“ und die Serie scheint zumindest bei Peacock gut angekommen zu sein, denn sie wurde für eine zweite Staffel verlängert. Diese Review bezieht sich auf alle acht Folgen der Animationsserie „Sausage Party: Foodtopia“.
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Worum geht es in „Sausage Party: Foodtopia“?

Die Story ist kaum der Rede wert, denn eine Art Mega-Katastrophe spielt sich ab, die sowohl die Welt der Menschen, als auch die der Lebensmittel für immer verändert und offenbar eine Art Weltuntergang ist, den wohl nur wenige Menschen überleben. Unsere wurstigen und brotigen Helden Frank (Seth Rogen, Pam & Tommy, Platonic), Brenda (Kristen Wiig, Palm Royale), Barry (Michael Cera, Scott Pilgrim Takes off) und Sammy (Edward Norton, „The Incredible Hulk“) und ihre Begleiter müssen sich mit der neuen Welt arrangieren, in der der Supermarkt einstürzt, als wäre es ein Desaster-Film oder Regen zu einem bedrohlichen Ereignis wird.
Will Forte (The Last Man on Earth), Sam Richardson (Detroiters), Natasha Rothwell (The White Lotus) und Yassir Lester (Black Monday, Duncanville) sind weitere prominente Stimmen, die man hören kann. Auch diese Akteure sind eigentlich überaus talentiert, können aber wenig retten, was das schwache Material vorgibt.
Der englischsprache Trailer zu „Sausage Party: Foodtopia“:
Magenverstimmung durch zu viel Gammel-Humor?

Seth Rogen und Evan Goldberg haben schon lange einen Vertrag bei Amazon Studios und wahrscheinlich kreative vogelfreiheit, da es beim The Boys-Franchise so blendend läuft, dazu kommt noch Animations-Veteran Conrad Vernon („Monsters vs. Aliens“, „Die Addams Family“), der sie bei der Umsetzung unterstützt. Doch bei dieser Serie drängt sich mir der Verdacht auf, dass man einfach mit Freunden noch mal etwas Budget abgreifen wollte, ohne groß ein innovatives Konzept auf dem Kassenband respektive dem Warenkorb gehabt zu haben, während man irgendwann mal große Munchies hatte...
Denn die Animation sieht deutlich schlechter aus als der Film aus dem Jahr 2016, die Gags werden entweder vom Film wiederholt, dazu gehören sexuelle Entgleisungen, simulierte Orgien und Tabu-Brüche, die natürlich trotzdem irgendwo witzig, weil so abstrus sind oder basieren auf Wortspielen rund um Essen und Musik (wie oft wird hier irgendwie ein Popsong mit Lebensmitteln gecovert?), dass man meinen könnte, es wäre bloße Zeitschinderei. Immerhin wurde eine Filmfigur (Lavash) größtenteils entfernt, die man wohl als kulturell beleidigend sehen könnte, auch wenn um ihren Verlust eine Art Flashback Running Gag geköchelt wird.
Dazu kommt ein Story rund um die Lebensmittel, die sich so etwas wie eine eigene Gesellschaft ausbauen und ihre Vertreter wählen, was also irgendwie auf die US-Politik und ihre politischen Lager anspielt - inklusive obligatorischer Meuterei und einigen Opfern und Verletzungen für unsere Wurstagonisten. Parallele Gesellschaften hatten beispielsweise Solar Opposites (die Wand bei den Kinderaliens) oder Rick and Morty einfach viel besser schon abgedeckt.
Es gibt sogar eine Folge, die mit einer Warnung beginnt, die den Machern wohl von den Amazon Studios auferlegt wurde, aber wer den Originalfilm kennt, den schockt in der Hinsicht eigentlich wenig. Das Kreativteam meint wahrscheinlich die vielen sexuelle Anspielungen und Orgien wären ein Alleinstellungsmerkmal, aber Big Mouth oder South Park und einige andere Serien und Animationsfilme sind ähnlich explizit und bietet somit wenig neues und komisch köstliches.
Warum wird hier ständig gesungen?
Leider sind die Storys aus „Sausage Party“ meist furchtbar egal, austauschbar, dünn und eben nicht sonderlich witzig, aber wegen der geringen Laufzeit dennoch wunderbar als Second-Screen-Beschallung, die nicht sonderlich viel mental abverlangt, tauglich. Man könnte böse sagen: Stoner-Humor, der etwas unkreativen Sorte.
Es wirkt zudem bisweilen deswegen eher so, wie der Versuch einen klassischer Kinderfilm wie man ihn von DreamWorks, Sony, FOX oder Illumination, wo bekanntlich Songs und Cover super beliebt sind (siehe „Sing“, „Pets“, „Trolls“ oder „Rio“, etc ), für Erwachsene und geistig Junggebliebene zu liefern, wo oft auch einfach grundlos gesungen wird, weil es der Zielgruppe gefällt. Aber es nutzt sich ab, weil es einfach inflationär genutzt wird.
Fazit

Ich finde es schade, wenn eine Serienfortsetzung lieblos hingeklatscht wird und bei Sausage Party: Foodtopia wurde ich diesen Eindruck beim Anschauen aller acht Folgen selten los. Die Ursprungszutaten sind vorhanden, werden ein wenig neu vermischt, ergeben aber kein schmackhaftes oder wenigsten halbwegs witziges Gericht, sodass ich dieses Rezept beim besten Willen nicht weitergeben kann. Selbst wenn man den Film, trotz aller Frechheit und Tabubrüche, damals witzig und charmant fand. Manchmal muss eben nicht alles auf Zwang fortgesetzt oder in diesem Fall künstlich gestreckt werden. Zweieinhalb von fünf Würstchen und das nicht, weil ich Vegetarier aus Leidenschaft bin...