
Vorwort
Es gab im Vorfeld zur Ausstrahlung bereits diverse Probleme mit der Serie Of Kings and Prophets. War ursprünglich noch ein Sendetermin im Herbst geplant, wurde der Start schließlich auf die Midseason verschoben. Der Grund dafür war von offizieller Seite, dass man einfach mehr Zeit brauchte, um Kostüme und Sets der Zeitperiode glaubwürdiger umzusetzen. Dabei hätten diverse Dialoge des Auftakts sicher auch noch eine Politur vertragen können.
Die Ankündigung der Macher, dass die Serie sehr gewalt- und sexlastig werden würde, sorgte außerdem beim Parents Television Council (PTC) für große Bedenken, denn bekanntlich gehört ABC (der Sender produziert die Serie übrigens auch) zu den Networks und die unterliegen in diesen Bereichen einer größeren Zensur. Da führte die Bekanntmachung, hier an die Grenzen des Machbaren gehen zu wollen, bereits im Vorfeld dazu, dass der PTC eine Absetzung der Reihe forderte.
Blood & Sex
Man kann dem Auftakt durchaus anmerken, dass in Sachen Gewalt und Sex an die Grenzen des Network-Machbaren gegangen wird. Schon gleich die ersten Minuten zeigen uns eine blutige Schlacht, in der König Saul (Ray Winstone) das Schwert schwingt und bei der Rückkehr in die Heimat nahezu jeder ein blutverschmiertes Gesicht vom Kampf hat. Bei den Sexszenen hingegen gibt es sicherlich nichts zu verbuchen, was großartig überraschen würde.

Um mal einen kleinen Vergleich zu ziehen: Die Serie Spartacus hat sich in diesen Bereichen damals deutlich stärker ausgetobt und auch wenn es Of Kings and Prophets gelingt, ab und an durch Gewalt zu schockieren, merkt man doch, dass es sich hier um eine Network-Serie handelt. So bekommt Saul beispielsweise vom Propheten Samuel (Mohammad Bakri) den Auftrag, das Volk der Amalekiter auszulöschen - mitsamt Frauen und Kindern - was auch tatsächlich durchgeführt wird. Allerdings bleibt selbst dieses schockierende Ereignis hinter den Maßstäben dessen zurück, was diverse Pay-TV Sender bereits auf die Bildschirme brachten.
König Saul
Was die Charaktere der biblischen Geschichte betrifft, ist eindeutig Ray Winstone hervorzuheben, dessen zentrale Figur König Saul noch am ehesten zu fesseln weiß. So ist er nicht gerade erbaut darüber, als Samuel ihm mitteilt, dass er die Amalekiter auslöschen muss, um seinem Ziel - die Einigung der zwölf Stämme Israels und der Sieg über die Philister - näherzukommen. Winstone schafft es dabei, seiner Figur eine gute Portion Entschlossenheit und Grausamkeit mitzugeben, wirkt gleichzeitig aber geplagt von all den Kämpfen und stellt schließlich auch in Frage, ob Samuel ihm tatsächlich den Willen Gottes mitteilt oder bloß aus persönlichen Motiven die Amalekiter aus dem Weg haben will.
Dieser Konflikt, der im Auftakt aufgebaut wird, ist durchaus vielversprechend. Abseits davon gibt es aber auch andere Figuren und Handlungsstränge am Hof des Königs, die den Drama-Faktor erhöhen sollen. Da wäre beispielsweise Sauls Tochter Merav (Jeanine Mason), die zur Einigung der Stämme vermählt werden soll oder die Offenbarung gegen Ende, dass sich ein Spion der Philister in den eigenen Reihen befindet.
Was diese Intrigen und das Drama abseits der Hauptfiguren angeht, bleibt der Auftakt aber eher mau. Da gibt es so gut wie nichts, was den erfahrenen Serienjunkie großartig aus den Socken hauen würde. Eine Liebesgeschichte hier, ein Spion dort. Aber es fehlt am nötigen Gewicht der (Neben-)Ereignisse, um diese Charaktere wirklich bedeutungsvoll zu gestalten. Ganz abgesehen davon, dass auch die Dialoge wie schnell hingeklatscht wirken, um rasch zum nächsten Gewalt- oder Sexakt überzugehen.
David
Etwas interessanter sieht es wiederum beim Schäfer David (Olly Rix) aus, der sich im Auftakt einem Löwen stellen muss und gegen Ende der Episode am Hof von König Saul landet. Für diejenigen, die mit der Geschichte vertraut sind, bieten sich hier natürlich kaum Überraschungen. Dennoch ist Davids Werdegang ein zentrales Thema, was auch gut genug behandelt wird.
Fraglich bleibt allerdings, wie viel sich aus seiner Geschichte herausholen lässt. Zwar kommt David schon als eine sympathische Figur rüber, aber andererseits sticht er noch nicht sehr bedeutungsvoll aus dem Ganzen hervor - im Gegensatz zu seiner Steinschleuder, die verdächtig oft gezeigt wird. Dabei sollte nicht unerwähnt bleiben, dass auch ein gewisser Goliath (Garth Collins) verdächtig oft gezeigt wird, wenn es an den Hof der Philister geht.

Allgemeines
Positiv hervorheben lassen sich die Sets in und um Kapstadt, wo die Serie gedreht wird. Egal, wo sich die Protagonisten gerade befinden, man fühlt sich tatsächlich in die Zeit um 1000 vor Christus zurückversetzt und neben den Schauplätzen sind auch die Kostüme gelungen.
Etwas herausgerissen aus dem Setting wird man allerdings durch den typischen Standardfehler, den auch Of Kings and Prophets mit sich bringt. So scheinen die Damen am Hof ausgezeichnete Zahnärzte zu haben und wirken insgesamt zu sauber für die Zeit.
Was sich sicher auch kritisch anmerken lässt, ist die Art und Weise, wie die Story angegangen wird. Man hat hier oft nicht das Gefühl, eine alte Geschichte originell und neu erzählt zu bekommen. Vielmehr wird der Eindruck erweckt, als habe man sich an anderen historischen Formaten orientiert, die in serienform umgesetzt wurden und erfolgreich waren beziehungsweise sind. Man kommt oft nicht umhin, sich an Serien wie Vikings, Spartacus, Black Sails oder gar Game of Thrones erinnert zu fühlen. Allerdings fehlt es „Of Kings and Prophets“ trotz seiner eigenen Prämisse an der nötigen Eigenständigkeit. Es wirkt teilweise wie ein billiger Abklatsch oder Mischmasch genannter Reihen, der auf die Schnelle mit Intrigen und Konflikten ausgestattet wurde und durch Gewalt und Sex von diesen weniger gelungenen Elementen ablenken möchte.
Fazit:
Leider nichts Besonderes, obwohl sich hier und dort ein wenig Potenzial versteckt. Vor zehn Jahren wäre die Reihe vielleicht noch etwas gewesen, was auf Begeisterung gestoßen wäre. Aber in Anbetracht anderer Serien fehlt es an allen Ecken und Kanten, um Of Kings and Prophets auf mehr als den üblichen Durchschnitt anzuheben. Schade, denn obwohl die grundsätzliche Geschichte vielen bekannt sein dürfte, wäre eine adäquate TV-Umsetzung doch eine wünschenswerte Sache. Von mir gibt es 2,5 von 5 Sternen.