New Girl 6x22

New Girl 6x22

In der letzten Woche feierte New Girl das Finale seiner 6. Staffel. Oder ist Five Stars for Beezus vielleicht sogar das Serienfinale gewesen? Die beiden Serienjunkies.de-Redakteure Loryn und Felix diskutieren über das vermeintliche Ende der Comedy und warum dies völlig in Ordnung wäre.

Die Serienjunkies diskutieren über das Finale der sechsten Staffel von „New Girl“. / (c) FOX
Die Serienjunkies diskutieren über das Finale der sechsten Staffel von „New Girl“. / (c) FOX
© ie Serienjunkies diskutieren über das Finale der sechsten Staffel von „New Girl“. / (c) FOX

Die Serienjunkies probieren etwas Neues aus. Loryn und Felix halten der FOX-Comedy „New Girl“ seit Jahren die Treue. Zum Abschluss der sechsten Staffel diskutieren die beiden Redakteure nun in Textform über das Staffelfinale, was zeitgleich das Ende der Serie bedeuten könnte. Wir wünschen viel Spaß bei diesem Gedankenaustausch!

Felix:

Eigentlich bin ich gar nicht der Serientyp für klassische Rom-Sitcoms. An Friends kam ich nie wirklich ran und How I Met Your Mother lief irgendwann auch nur noch so nebenbei. Aus irgendwelchen Gründen hat sich aber New Girl Jahr für Jahr in meinem persönlichen TV-Programm gehalten. Aus der einfache Prämisse (eine „adorkable“ Idealistin/ Romantikerin/ Optimistin zieht in eine chaotische Männer-WG ein) entwickelte sich recht schnell eine charmante Geschichte über einen bunten Haufen sehr sympathischer Charaktere, die irgendwie versuchen, ihr oft verrücktes (Liebes)Leben bewältigen.

Das hatte einige spaßige Stunden zufolge, ebenso wie ein paar Längen und repetitive Momente, was bei einer Laufzeit von sechs Staffeln nicht weiter verwundert. Mit Five Stars for Beezus, dem Finale der sechsten Staffel von „New Girl“, könnte nun aber das Ende der Fahnenstange für Jess, Nick und Co. erreicht sein. Bisher hat sich Sender FOX immer noch nicht entschieden, wie oder ob es überhaupt mit der Comedy von Elizabeth Meriwether weitegehen soll. Eine Frage, die meiner Meinung nach sehr schnell beantwortet ist...

New Girl“ feiert nach sechs Staffeln jetzt einfach ohne viel Getöse sein Serienfinale. Nach der letzten Folge gibt es keine Gründe, die Geschichte unnötig in die Länge zu ziehen. In der sechsten Staffel wurden noch einmal gekonnt die Stärken des Formats ausgespielt, das sich immer dann in Bestform präsentierte, wenn unsere Charaktere wie eine dysfunktionale, aber liebenswerte Familie aufgetreten sind. Nun, zum Abschluss, stehen sie allesamt fest im Leben und haben ihr Glück gefunden. Schmidt mit seiner schwangeren Cece, Winston mit Aly und natürlich auch Nick und Jess, das ewige will-they-won't-they-Pärchen. Dieses harmonische Schlussbild muss gar nicht weiter ausformuliert werden. Oder, Loryn?

Loryn:

Ganz richtig! In einer Sache sind wir uns einig, Felix, weitergehen sollte es so nicht. Wo soll denn das Baby hin wenn die Gang mal wieder versucht fünf Weihnachtspartys an einem Abend zu crashen? Ja, gut, klar, auch Eltern haben eine Menge Spaß, aber die Veränderung der Dynamik, die die Hochzeiten und Babys für die Gang bedeuten, möchte ich dann lieber nicht mehr sehen. Der schnelle und kalte Ausstieg ist da wesentlich besser. Das dürfte dann aber auch schon das einzige sein, bei dem wir uns auf eine Sache einigen können. Denn hinter der Hoffnung darauf, dass es das Ende der Serie ist, steckt bei mir vor allem Enttäuschung. Ja, ich habe durch die Staffeln Jess und Nick die Daumen gedrückt. Und ja, ich wusste natürlich auch, dass es am Ende passieren wird.

Aber so? Nichtmal getraut haben sie sich, uns den finalen Kuss in ganzer Länge zu zeigen. Das darf doch nicht wahr sein, da geht die Fahrstuhltür zu bevor es was zu sehen gibt und wieder auf als alles gelaufen ist? Wer weiß denn nicht, dass das wichtigste an einem Kuss die Momente davor und die erste Sekunde ist? Ich fühle mich rundheraus betrogen um eine Szene, auf die ich lange gewartet habe und schwelge stattdessen lieber in Erinnerungen an die anderen, weitaus besseren Momente, in denen Jess und Nick sich ihre Gefühle gestanden haben.

Immerhin Winston (Lamorne Morris) hat ein Happy End bekommen und damit kann ich mehr als gut leben. Also Winston Bishop natürlich, auch wenn ich Schmidt (Max Greenfield) das Familienidyll mit Cece prinzipiell (Hannah Simone) gönne. Nur könnte es in der Umsetzung dann etwas weniger kitschig sein? Das haben wir doch schon viel besser gesehen in der FOX-Comedy. Fühlst du dich da nicht auch ein bisschen im falschen Film?

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Felix:

Überhaupt nicht! Aber das liegt wohl vor allem daran, dass ich jedem einzelnen Charakter diesen schönen Abschluss von Herzen gegönnt habe. Und dabei schrillen die Kitsch-Alarmglocken bei mir ziemlich schnell. Die Beziehungen zwischen Schmidt und Cece sowie zwischen Winston und Aly sind im Laufe der sechsten Staffel von New Girl noch einmal gereift und wurden durch die verschiedensten Feuertaufen (Alys Familienfeier! Schmidts und Ceces gemeinsames Zusammenleben im ersten eigenen Haus!) gefestigt. Am Ende von Five Stars for Beezus war ich eher erstaunt, wie authentisch diese Beziehungen doch gezeichnet sind und dass die Hingabe der Figuren zueinander absolut nachvollziehbar ist. Wobei ich Dir schon ein Stück weit recht geben muss, dass die plötzliche Schwangerschaft von Cece und Winstons Kontaktaufnahme mit seinem entfremdeten Vater etwas nach altbackenen Fernsehtropen stinkt.

Aber halt. Du erkennst zu viel Kitsch und forderst im gleichen Atemzug den Kuss aller Küsse zwischen Jess und Nick? Veto! Die Einfachheit der finalen Szene zwischen Nick und Jess, die wie wir sie kennen und lieben gelernt haben natürlich erst einmal total verpeilt aneinander vorbeirennen, hat mir persönlich vollkommen ausgereicht. Mir gefällt diese Lösung sogar besser als die zigste romantische Geste aus dem Formelbuch für Rom-Coms. Möglich, dass es so weit gekommen wäre, wenn alle Beteiligten vorher gewusst hätten, dass „Five Stars for Beezus“ das Serienfinale von „New Girl“ ist. Nach all den Jahren des komplizierten Hin und Hers zwischen Jess und Nick, bei dem die eine Seite mal wollte und die andere wiederum sich irgendwie nicht traute, ist dieses simple Happy End der perfekte Schlusspunkt.

Liebe ist eben manchmal keine Geschichte aus dem Bilderbuch, sondern passiert einfach. Das überglückliche Lächeln von Jess und Nick, wie sie sich in den Armen liegen, während sich der Fahrstuhl auch schon wieder schließt, sagt mehr als tausend herzförmige Luftballons oder irgendein blaues Horn. Aber gut. Können wir uns zumindest darauf einigen, dass die wiederholten Gastauftritte von Megan Fox im Endeffekt nur eine Hinhaltetaktik waren, um das Unvermeidliche (Nickica? Jessicholas?) hinauszuzögern? Wer hat denn wirklich gedacht, dass Reagan und Nick eine gemeinsame Zukunft haben werden?

Loryn:

Also erstmal: Jessnicka! Und ja, genau dieses „einfach passieren“, genau das hätte ich gerne gesehen und nicht abgeschnittene Kitsch-Ausschnitte einer emotionalen Begegnung, wie man sie sonst nur aus Heimatfilmen kennt. Meiner Meinung haben die Autoren da genauso wenig Mut gehabt wie Nick bei dem Ende seiner Beziehung zu Reagan. Viel Sinn konnte ich in ihrer Anwesenheit auch nicht erkennen, aber wenn ich so zurückschaue, waren die Freundinnen und love interests von Nick gerade wegen der Absehbarkeit von Jessnicka als Endgame immer sehr unterhaltsam. Erinnert sich noch jemand Lizzy Caplans wunderbarem Besuch als Julia? Nicks Beziehungen und Affären waren stets große Unterhaltung für mich.

Ein weiterer Punkt, der nicht mehr da wäre, wenn die Serie dann doch weitergehen sollte. Was würdest Du denn noch gerne sehen, wenn die Serie doch weitergehen sollte? Ich wäre in jedem Fall dabei, wenn Ryan Geauxinue zurückkehrt, aber ich wäre generell an vielen Orten dabei, wo Julian Morris aufschlägt, zum Beispiel Hand of God. Gerne mehr sehen würde ich auch von Jess' Ex-Direktorin Genevieve (Lucy Punch) sehen, gerne zusammen mit Winstons Alter Ego. Einen runden Abschluss hingegen fand ich Coachs (Damon Wayans Jr.) letzten Besuch. Ihn würde ich wenn schon für länger zurück als festen Bestandteil der Gang haben wollen.

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Felix:

Es wäre ja nur all zu passend, wenn FOX jetzt plötzlich eine siebte Staffel von New Girl bestellen würde, kurz nachdem wir uns trotz ein paar kleineren Streitpunkten darauf geeignet haben, dass sich das Serienende nach sechs Staffeln richtig anfühlt. Ich hätte glaube ich wirklich ein größeres Problem damit, wenn es doch weitergeht, weil die Dynamik unter den Freunden in einer möglichen siebten Staffel einfach nicht die wäre, die mich von Beginn an zu der Comedy hingezogen hat. Ich liebe „New Girl“ aufgrund der vielen chaotischen Freundschaften und die jugendliche, unreife Art, die sich das Format stets bewahrt hat, auch wenn die Charaktere eigentlich schon lange erwachsen sind.

Mit dem Ende der sechsten Staffel beginnt für die Figuren ein neuer Lebensabschnitt, nachdem sie eine eher „wilde“ Phase hinter sich gelassen haben. Ich glaube einfach nicht, dass man diesen tonalen Wechsel so einfach hinbekommen und die Serie eher darunter leiden sowie ihre eigentliche Stärken einbüßen würde. Meinen skeptischen Worten und Befürchtungen zum Trotz, können solche große Veränderungen wie für unsere Charaktere am Ende der sechsten Staffel natürlich auch einen positiven Effekt haben. Oder man tappt eben in die How I Met Your Mother-Falle...

Winstons Suche nach seinem biologischen Vater hat Potential, was wohl vor allem daran liegt, dass dieser Plot den sonst sehr spaßigen, abgedrehten scene stealer mal von einer anderen, womöglich etwas ernsteren Seite zeigen könnte. Aber wollen wir so einen Winston? Papa Schmidt und Mama Cece locken mich jetzt nur bedingt hinterm Ofen hervor. Mehr Coach geht immer, da gebe ich Dir recht. Und irgendwie ist mir doch tatsächlich der gute Robby (Nelson Franklin) ein bisschen ans Herz gewachsen. Aber in welchen Rahmen könnte er eine siebte Staffel von „New Girl“ bereichern? Vielleicht als klassischer Bösewicht, der Jess nachträglich auf Schadenersatz verklagt, woraufhin Nick die Einnahmen aus seinem lukrativen Buchdeal (Ich möchte ein Exemplar der „Pepperwood Chronicles“, jetzt sofort!) investiert, um ihr zu helfen.

Loryn:

Da können wir dann als Ersatz zur Serie direkt einen Buchclub gründen, denn in Nicks literarische Welt würde ich auch gerne mal eintauchen! Doch bevor wir uns dann ganz in die Bibliothek verabschieden möchte ich die Gelegenheit noch nutzen, um aufzuzählen was ich trotz Enttäuschung über die letzte Episode immer wunderbar an der Serie fand und das ist das Casting, besonders das der Frauenfiguren. Wo sonst sieht man bis zu vier brünette Frauen mit ähnlichen Frisuren auf der Mattscheibe ohne, dass die Produzenten zur Absetzung eine Blondine verlangen, weil Frauen sich ja schon optisch meistens so sehr unterscheiden müssen, dass die Rollen offensichtlich aufgeteilt sind. Der althergebrachten Denkweise, dass es keinen Platz für mehrere Frauenfiguren in vielen Storys gibt, die sich zu sehr ähneln, setzen die New Girl-Macher schon von Anfang an mit offensichtlicher Freude immer wieder neue Figuren entgegen, die genau sich genau diesem Klischee verweigern. Und ich finde es schön, dass sie mit Aly und Reagan dabei treu bleiben. Denn da ist sie endlich, die Gelegenheit für uns zu sehen, dass man mit dem nötigen Feingefühl in der Charakterzeichnung Frauen durchaus voneinander absetzen kann ohne dabei Äußerlichkeiten ins Feld führen zu müssen.

Und so muss ich natürlich zugeben, dass die Enttäuschung über das Finale natürlich auf hohem Niveau stattfindet und ich der Serie ebenfalls mit viel Melancholie und schönen Erinnerungen hinterschauen werde wenn sich herausstellt, dass es das Ende war. Denn am Ende ist alles Meckern vermutlich auch mehr Trauerbewältigung als echter Frust.

Was glaubt Ihr, hat die Serie hier einen gelungenen Abschluss gefunden oder sollte die Comedy eine weitere Staffel verpasst bekommen?

Verfasser: Felix Böhme am Sonntag, 16. April 2017

New Girl 6x22 Trailer

Episode
Staffel 6, Episode 22
(New Girl 6x22)
Deutscher Titel der Episode
Mutig sein
Titel der Episode im Original
Five Stars for Beezus
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 4. April 2017 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 17. Mai 2018
Regisseur
Erin O'Malley

Schauspieler in der Episode New Girl 6x22

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