NCIS: Origins ist die neue NCIS-Serie, die ich mir erhofft hatte

NCIS: Origins ist die neue NCIS-Serie, die ich mir erhofft hatte

Mit „NCIS: Origins“ kehrt endlich der frische Wind in das altehrwürdige Franchise ein, den viele Fans erhofft und erwartet hatten. Vor allem Austin Stowells Interpretation des jungen Gibbs sorgt für neue Impulse, wie wir in unserem Review zur Pilotfolge feststellen.

Szenenfoto aus der Serie „NCIS: Origins“
Szenenfoto aus der Serie „NCIS: Origins“
© CBS

Das passiert in der Episode „Enter Sandman“ der Serie „NCIS: Origins“

Leroy Jethro Gibbs (Austin Stowell, Catch-22) wurde in NCIS: Origins nach dem Mord an seiner Frau und Tochter gerade erst zum NIS versetzt. Sein Boss, Special Agent Mike Franks (Kyle Schmid, Being Human), setzt große Hoffnungen in den Newcomer, während seine Kollegin Special Agent Lala Dominguez (Mariel Molino) Ressentiments gegen ihn hegt.

Gibbs' Ermittler-, aber auch seine Teamfähigkeiten werden auf eine harte Probe gestellt, als es gilt, einen Sniper zu fassen, der anscheinend wahllos Menschen tötet. Doch geschehen die Morde wirklich ohne jegliches Motiv, oder steckt doch mehr dahinter? Während das FBI in einen Kompetenzkampf mit dem NIS tritt, tun Franks, Gibbs, Dominguez und ihr Kollege Special Agent Bernard Randolf (Caleb Foote, American Horror Story) alles in ihrer Macht Stehende, um den Killer zu finden...

Endlich frischer Wind

Das NCIS-Franchise (eigentlich ja korrekterweise: JAG-Franchise) ist bekanntermaßen nicht gerade ein Quell für innovative Ideen. Egal wo auch immer die Beamtinnen und Beamten des Naval Crime Investigation Service auftreten, geht es im Kern stets um dieselben Themen, die mehr oder weniger auf dieselbe Weise gelöst werden.

Das ist an sich nun nichts Negatives und funktioniert immerhin seit 2003 geradezu ausnehmend gut (rechnet man „JAG“ als Initialzündung für das Franchise hinzu, sogar bereits seit 1995). Dennoch hatte man sich als Krimiserien-Fan spätestens seit NCIS: Hawai'i und der ersten Frau in der Führungsposition eines Teams irgendwie frischen Wind gewünscht.

Dass weder diese leider inzwischen abgesetzte Serie noch das eher mittelprächtige Format NCIS: Sydney neue Impulse brachten, ist indes klar. Tatsächlich gelingt es aber den „NCIS“-Veteranen Gina Lucita Monreal und David J. North mit „NCIS: Origins“, dem Franchise endlich den langersehnten neuen Dreh zu verleihen, der für eine neue - und doch alte - Tonalität sorgt.

Zurück in die Vergangenheit

Für die beiden Serienmacher heißt es nämlich in jeder Hinsicht: back to the past. Statt wieder nur ein neues Team an irgendeinem Ort der Welt auf Mörder und Terroristen loszulassen, entschieden sich Monreal und North klugerweise dafür, zu den Wurzeln zurückzukehren. Leider bedeutet das nicht, dass die Abenteuer der „JAG“-Anwälte mit eingebunden werden, allerdings lernen wir den hervorragend von Austin Sowell gespielten Leroy Jethro Gibbs endlich in jungen Jahren kennen und folgen ihm bei den ersten Schritten zu dem Mann, den wir ihn seit mittlerweile 21 Staffeln kennen (Season 22 ist bereits übrigens bereits bestellt) und lieben.

Schön ist, dass man uns mit Sowell nicht einfach einen Ersatz für Mark Harmon zum Fraß vorwirft, sondern den Altmeister der Investigation selbst in Form von kleinen Cameo-Auftritten und ebenfalls als Erzähler aus dem Off auftreten lässt. Natürlich sind die beiden zu sehenden Gibbs nicht identisch. Der spätere NCIS-Chef ist älter, reifer und gesetzter als sein stürmisches junges Ich, eine Tatsache, die der Serie eine vollkommen neue Attitüde verleiht.

Hinzu kommt, dass wir uns zum ersten Mal nicht in der Gegenwart, sondern über 20 Jahre in der Vergangenheit bewegen und damit in einer Zeit, in der Computer noch klobige Kisten und ermittlungstechnische Handarbeit angesagt war. Auch ist der aus der Mutterserie bestens bekannte Mike Franks rauer und weniger politisch korrekt, als es in heutigen Formaten oft der Fall ist. 1991 - der Jetztzeit der Serie - tickten die Uhren in Sachen equality eben noch anders als heute, eine Tatsache, der man in „NCIS: Origins“ durchaus mit Feingefühl Rechnung trägt. Entsprechend ist Franks ein echter Cowboy, der sich nicht gerne in die Suppe spucken lässt und die Dinge so angeht, wie er es für richtig hält.

Gibbs' Familie

Wie auch im Original spielt die Ermordung von Gibbs' Frau und Kind eine ausnehmend wichtige Rolle im Spin-off. Immer wieder erleben wir Flashbacks, die die letzten Augenblicke zwischen ihm und seiner Familie zeigen. Die Trauer über die erst wenige Monate zurückliegenden Morde hat hierbei ihre Wunden in der Seele des ehemaligen Snipers hinterlassen. Das ist eine Tatsache, die Monreal und North ansprechend mittels auditiver Effekte und leicht verzerrter Close-ups für das Publikum sicht- und spürbar machen.

Andererseits macht ihn sein Schicksal empfänglich für jenes anderer Menschen, weshalb er beispielsweise schnell eine Verbindung zur Mutter des ersten Opfers der Episode aufbaut. Diese - und seine Fähigkeiten als Scharfschütze - wirken sich schließlich auf die Lösung des Falls aus, auch wenn der Neuling letztlich nur ein Faktor ist.

Gibbs' Kollegen Dominguez und Randolf fallen indes nicht einfach unter den Tisch oder verblassen zu unbedeutenden Nebenfiguren. Vielmehr ist Dominguez zuerst eine Art Counterpart mit leicht antagonistischen Zügen, während sich Randolf sofort mit dem Frischling anfreundet.

Ein zu abruptes Ende

Toll ist, dass jeder Einzelne letztlich seinen Beitrag leistet, um den Killer zur Strecke zu bringen. Allerdings soll nicht unerwähnt bleiben, dass die Auflösung des Falls trotz der eineinhalbstündigen Doppelfolge, mit der „NCIS: Origins“ einsteigt, nicht vollends befriedigend geschrieben ist. Das Finale kommt zu schnell, zu vorhersehbar und abgehackt daher.

Ein wenig mehr Finesse hätte nach insgesamt 90 Minuten also doch sein dürfen. Allerdings verwendet Enter Sandman viel Zeit auf die Einführung der Protagonisten und bemüht sich redlich und erfolgreich, eine Verbindung zu einer Serie herzustellen, die seit immerhin 21 Jahren die Fans begeistert. Insofern ist das abrupte Finale verschmerzbar, zumal wir hier einen jungen Gibbs erleben, der sich hervorragend in das Franchise einfügt.

Fazit

NCIS: Origins“ traut sich etwas Neues und belebt damit die reichlich angestaubte „NCIS“-Serienlandschaft. Das Wagnis, ein Prequel zu erzählen, geht dank der flott geschriebenen Geschichte, der neuen und doch alten Charakterisierung von Gibbs und den Rückgriffen auf aus dem Original bekannten Figuren und Ereignissen voll auf. „Enter Sandman“ ist spannend, verfügt über eine neue Tonalität, punktet mit einem sympathischen Team und führt uns allen Unkenrufen zum Trotz endlich dorthin, wo noch keine „NCIS“-Serie zuvor gewesen ist. Hinzu gesellt sich der altbekannte Crime-Military-Faktor, der das Franchise ohnehin immer schon besonders gemacht hat.

Wir verteilen daher viereinhalb von fünf NIS-Jacken.

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