Mrs. Fletcher: Kritik zur HBO-Comedy mit Kathryn Hahn

Mrs. Fletcher: Kritik zur HBO-Comedy mit Kathryn Hahn

Der Transparent-Star Kathryn Hahn spielt in der neuen HBO-Comedy Mrs. Fletcher eine taffe Singlemutter mit akutem Empty-Nest-Syndrom. Hinter der Serie steht Tom Perrotta, der Autor der Buchvorlage von The Leftovers.

Szenenbild von Mrs. Fletcher: Eve (Kathryn Hahn) in der Midlife-Crisis... (c) HBO
Szenenbild von Mrs. Fletcher: Eve (Kathryn Hahn) in der Midlife-Crisis... (c) HBO
© zenenbild von Mrs. Fletcher: Eve (Kathryn Hahn) in der Midlife-Crisis... (c) HBO

Kurz nach der Premiere von Watchmen, der neuen Serie von Damon Lindelof, präsentiert nun auch Tom Perrotta sein jüngstes Werk bei HBO. Beide schufen gemeinsam das viel gelobte Mysterydrama The Leftovers, das auf einem Roman Perrottas basierte, den Lindelof fürs Fernsehen aufbereitet hatte. Mit ihren neuen Projekten gehen die Zwei jedoch in völlig unterschiedliche Richtungen, denn Perrottas Mrs. Fletcher kommt als sehr bodenständige Comedy daher, während Lindelofs Comicadaption mit Pomp und Action auftritt.

Besagte Mrs. Fletcher wird gespielt von der mehrfach emmynominierten Schauspielerin Kathryn Hahn, die man aus Serien wie Transparent, I Love Dick und natürlich Crossing Jordan kennt. Bei ihrem Alter Ego handelt es sich um eine taffe Singlemutter, die nach dem Auszug ihres verkorksten Sohnes Brendan (Jackson White) akut am Empty-Nest-Syndrom zu leiden hat. Dazu mischt sich auch eine leichte Prise Midlife-Crisis und der Drang, sich auch sexuell neu zu entdecken. Ein perfektes Rezept für jede Menge Chaos...

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Um den Zuschauerinnen und Zuschauern klarzumachen, dass es sich bei Mrs. Fletcher tatsächlich um eine Comedy handelt, wird der erste und einzige richtige Witz gleich in die Anfangsszene eingebaut. Wir sehen Eve - so heißt unsere Protagonistin mit Vornamen - an ihrem Arbeitsplatz, einem Altenheim. Dort haben sich die Senioren im Gemeinschaftsraum versammelt, doch die Ruhe wird rasch durch einen peinlichen Zwischenfall gestört. Einer der Bewohner schaut mit voller Lautstärke und schamlos vergnügt einen Porno, was den anderen Rentnern selbstverständlich reichlich Unbehagen bereitet. Eve muss ganz klar ein Machtwort sprechen. Aber, wie wir später erfahren, weckt das Ganze auch ein wenig ihre Neugier, so dass sie selbst in die Welt der Sexfilmchen eintaucht.

Allerdings gibt es noch einen weiteren Vorfall, der diesen Ausflug in eine für sie völlig fremde Welt begünstigt: Ihr Sohn Brendan hat zum Abschied Sex mit seiner „Freundin“, die er dabei lauthals als „dreckige Schlampe“ beschimpft. Eve hört das durch die Zimmertür hindurch und sorgt sich, dass sie ihrem Jungen die falschen Werte vermittelt hat. Und tatsächlich ist Brendan ein ziemliches Arschloch, wie auch eine sehr unschöne Mobbingszene auf einer Party zeigt. Als unbeteiligter Beobachter würde man die Schuld dafür aber eher seinem Vater zuschreiben, der seine Exfrau Eve auch nach der Scheidung noch immer wie Dreck behandelt.

Szenenbild von Mrs. Fletcher: Brendan (Jackson White) mobbt seinen Mitschüler...
Szenenbild von Mrs. Fletcher: Brendan (Jackson White) mobbt seinen Mitschüler... - © HBO

All das zu sehen, ist zwar nicht gerade langweilig, aber irgendwie auch nicht besonders spannend. Der Großteil der Pilotepisode mit dem Titel Empty Best dreht sich darum, wie Eve damit umgeht, den wichtigsten Menschen in ihrem Leben zu verlieren. So sieht sie die Sache jedenfalls. Ihr Sohn sieht seine anbrechende Zeit am College derweil als ein aufregendes neues Lebenskapitel - was es ja auch ist. Die vielen kleinen Gags darum, wie oberpeinlich sich seine Mutter vor ihm und seinen neuen Freunden verhält, wirken sehr schnell ermüdend. Zumal man eh nicht richtig lachen könnte, da der Jungschauspieler Cameron Boyce hier seinen letzten Serienauftritt ableistete, bevor er im Juli tragisch ums Leben kam.

Allgemein hat Mrs. Fletcher eine spürbare Schwerfälligkeit, die dem Humor nicht gerade zuträglich ist. Zwar passt diese Stimmung durchaus zu den Themen der Serie, doch rein mit Blick aufs Marktpotential scheint dies eher ein Manko zu sein. Ohnehin ist das Format vermutlich für eine ganz spezielle Zielgruppe gedacht, der ich persönlich einfach nicht angehöre, was natürlich nicht die Schuld von Tom Perrotta ist. Am ehesten haben wahrscheinlich Eltern Spaß daran, die aktuell eine ähnliche Situation durchmachen oder schon mal durchgemacht haben. Man kann sich regelrecht vorstellen, wie Pärchen im Alter 45+ gemeinsam auf der Couch sitzen, ein Gläschen Wein trinken und sich über die schüchtern-freche Mrs. Fletcher amüsieren.

Fazit

Da bei HBO-Serien die Grundlagen sowieso stets makellos sind - sprich Schauspiel, Drehbuch und Regie -, kann man für neue Formate wie Mrs. Fletcher durchaus mal ein strengeres Maß anlegen. Im Vergleich zu den meisten Network-Comedys würde das neue Werk von The Leftovers-Buchautor Tom Perrotta natürlich klar den Längeren ziehen. Doch in der Oberliga scheint Mrs. Fletcher eher zum Mittelmaß zu zählen. Obwohl Menschen, die sich in dem Charakter von Kathryn Hahn wiederfinden, vermutlich viel profundere Eindrücke aus der Serie mitnehmen.

Doch auch so hätte man sich gewünscht, dass der Humor vielleicht ein wenig unvorhersehbarer daherkommt und ein höheres Erzähltempo hätte sicherlich ebenfalls nicht geschadet. Nach nur einer Episode kann man allerdings noch kein endgültiges Urteil über Mrs. Fletcher abgeben. Da Perrotta durchaus ein Mann zu sein scheint, der zu Einfällen fähig ist, die originell und eigenartig erscheinen, wird es in der Auftaktstaffel mit hoher Wahrscheinlichkeit noch die eine oder andere Highlightepisode geben. Wer gerade etwas Zeit und Geduld für neue Serien übrighat, tut also bestimmt nicht schlecht daran, weiter dranzubleiben.

Hier abschließend der Trailer zur neuen HBO-ComedyMrs. Fletcher:

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