
Mother Up! ist auf dem Papier aus mehreren Gründen beachtenswert: Die Animationsserie stammt aus Kanada, Eva Longoria spricht die Hauptfigur und im Fokus steht eine schlaue weibliche Figur (und nicht schon wieder ein tumber Mann). Dennoch gelingt es der Pilotepisode nicht, zu überzeugen.
Prämisse von 'Mother Up!'
Rudi Wilson (Eva Longoria) ist eine erfolgreiche Musikproduzentin in einer hohen Position. Sie hat beispielsweise maßgeblich dazu beigetragen, den Rapper 2Bit (Cle Benett) groß rauszubringen und wird als Frau mit viel Selbstvertrauen und großer Klappe vorgestellt, die sich in der von Männer dominierten Geschäftswelt durchzusetzen weiß. Allerdings begeht sie einen folgenschweren Fehler: Gemeinsam mit 2Bit geht sie auf „Safari“, genauer gesagt auf Kindersafari - und taucht auf einem Beweisvideo auf. Der Skandal kommt ans Licht und Rudi soll gefeuert werden. Geschickt versucht sie in einer Pressekonferenz den Vorfall für sich umzudeuten. Sie tritt von ihrem Posten zurück und will sich mehr um ihre Familie kümmern. Öffentlichkeitswirksam zieht sie - bis Gras über die Sache gewachsen ist - also mit ihren beiden Kindern von New York in einen kanadischen Vorort und tauscht ein Leben im Luxus gegen eines als Hausfrau und Mutter.
Die beiden Kinder Apple (Rebecca Husain) und Dick (Jesse Camacho) nehmen die Tatsache, dass dieser neue Lebensabschnitt ohne den Vater stattfinden wird, ziemlich gelassen hin. Rudi muss sich nun also statt um launische Musiker um die schulischen und außerschulischen Aktivitäten ihrer Kinder kümmern. Leider gelingt das zunächst ziemlich schlecht. Beim Schwimmunterricht der Tochter lernt sie die anderen Vollzeit-Eltern kennen, während ihr Sohnemann, durch den von ihr mitgegebenen Snack einen allergischen Schock erleidet.
Um ihre Qualitäten als Mutter zu beweisen, verschiebt sie kurzerhand den Geburtstag des Sohnes einige Monate nach vorne. Zwar organisiert sie allerhand spaßig erscheinende Aktivitäten, doch entpuppen sich diese nur als weitere Reinfälle. Eine andere Mutter sabotiert den kostümierten Auftritt eines angesagten Superhelden und der bestellte Kuchen aus Paris schwimmt in Alkohol, sodass sich die kleinen Gäste übergeben müssen und völlig daneben benehmen. Alles scheint verloren, bis 2Bit auftaucht und die Party noch rettet. Rudi selbst nimmt sich einen hänselnden Jungen zur Brust, der ihrem Filius das neue Leben zur Hölle machen wollte. Immerhin beweist sie dieses eine Mal im Verlauf des Piloten, dass ihr die Kinder nicht völlig egal sind.
Kritik
Wenn man vorher kaum etwas über Mother Up! gelesen hat, verbringt man die erste Hälfte der Pilotepisode vielleicht mit der Frage: „Für wen ist das Ganze gemacht?“ Sobald allerdings die ersten harmloseren Schimpfworte fallen, wird klar, dass das wohl eine Animationsserie für erwachsenere Zuschauer sein soll. Themen wie Fremdgehen, Impotenz, Kinder mit Betäubungsgewehren jagen und ein Hip-Hop-Künstler als wichtigster Klient unterstützen diesen Eindruck deutlich. Dennoch fehlt es der Serie an Biss und Witz.
Im Prinzip könnte die Serie auch mit echten Menschen gedreht worden sein, wenn da nicht die vereinzelten cartoonhaften Ausbrüche wären, etwa wenn die Figuren mit schweren Dinge beworfen werden oder sich sonst so sehr wehtun, dass es reelle Personen nicht überleben könnten. Die Grundprämisse haben wir hingegen in letzter Zeit schon häufiger gesehen - und das meistens besser. Am ähnlichsten ist hier wohl Suburgatory, wo allerdings ein Vater-Tochter-Gespann aus der Großstadt in die Provinz zieht.
Die Animation der Serie ist als unterdurchschnittlich zu bezeichnen und erinnert an die limitierte Animation von Hanna-Barbara-Cartoons. Die Lippenbewegungen sind auch nur bedingt an die Sprecher angepasst. Ansonsten erinnert der Animationsstil an ein Archie-Comic und sieht ziemlich altbacken aus.
Es mag zwar positiv sein, dass hier mal eine Mutter im Mittelpunkt steht und nicht ein Vater wie bei Family Guy, American Dad oder The Simpsons, dennoch überzeugt die Autorenleistung im Serienpiloten so gut wie nie. Das Tempo wirkt gehetzt, die Sprüche gewollt „edgy“ und „kontrovers“, ohne jedoch je richtig zu zünden.
Außerdem entbehrt es Rudi als Protagonistin so gut wie jeder Sympathie. Sie hält viel zu viel von sich, ist egoistisch und ist über weite Strecken des Serienpiloten eine Nullnummer als Mutter: Sie versagt an allen Ecken und Enden und tritt ihre Kinder mit Füßen. Dass diese sie trotzdem lieben, grenzt an ein Wunder. Aber die Serienmacher wollen uns glauben machen, dass Kinder ihre Elten lieben, egal wie schlimm sie sind.
Fazit
Mother Up! kann wenig aus der im Prinzip vielversprechenden Prämisse machen und entlockt höchstens ein müdes Lächeln, eher aber ein gelangweiltes Schulterzucken. Da hilft es auch nicht, dass mit Eva Longoria eine recht bekannte Serienpersönlichkeit die Hauptrolle spricht. Die kanadische Serie, die auch über Hulu.com abrufbar ist, schafft es nicht ansatzweise, das Interesse zum Dranbleiben zu wecken. Dafür gibt es zur Zeit sehr viel bessere Animationsserien weltweit, die die geschenkte Aufmerksamkeit auch wert sind.
Trailer zu „Mother Up!“: