
Als ausgerechnet das ZDF von der Produktion eines „deutschen Breaking Bads“ sprach und dieses zudem mit dem Komiker Bastian Pastewka besetzt werden sollte, wurden kritische Stimmen laut. Zwar lehnte Pastewka selbst diesen überhöhten Vergleich der Miniserie mit der erfolgreichen Dramaserie ab, jedoch lässt sich dieser nicht ganz von der Hand weisen. Dennoch schlägt der Pilot Schöner Schein einen eigenen Ton an, der Lust auf mehr macht.
Die Prämisse
Im Zentrum der fünfteiligen Miniserie steht der erfolglose Druckereibesitzer Jochen Lehmann (Pastewka), dessen hochqualifizierter Betrieb etwas zu teuer für den durchschnittlichen Druckauftrag ist und somit sein Dasein in der Auftragslosigkeit fristet. Auch die persönlichen Beziehungen zur Bank in Form seines Tenniskollegen Werner Tauchert (der aus Deutschland 83 bekannte Uwe Preuss) helfen dem verschuldeten Familienvater nur bedingt.
Doch nicht nur finanziell, auch familiär scheint Jochen schon lange seine Position als Oberhaupt abgegeben zu haben. So pflegt seine als Reinigungskraft arbeitende Ehefrau Julia (Susanne Wolff) eine Affäre mit dem deutlich jüngeren und sportlicheren Rolf „The Wolf“ (Torben Liebrecht), während seine drei Kinder Vincent (Moritz Glaser), Laura (Janina Fautz) und Nadine (Katharina Kron) nicht nur für Ärger sorgen, sondern durch die finanzielle Problemsituation unter dem Misserfolg ihres Vaters leiden.

Als schließlich der nächste, alles rettende Kredit ausbleibt, wagt Jochen einen gewagten Schritt und kopiert seinen letzten 50-Euro-Schein mithilfe seiner professionellen Druckmaschine und bringt diesen in Frankfurt mithilfe Rückgeld lastiger Einkäufen in Umlauf. Dabei fällt er besonders dem Kleinkriminellen Kioskbesitzer Damir (der aus den „Aufschneider“-Filmen bekannte Österreicher Georg Friedrich) auf, der die Chance wittert, durch Jochens Talent und dessen brenzliger Situation eine müde Mark zu verdienen.
Die Machart
Mag der zuvor vom Sender selbst aufgezeigte Vergleich zu Breaking Bad alleine durch das Format der fünfteiligen Miniserie schon nicht ganz aufgehen, komplett leugnen lässt er sich jedoch auch nicht. Dies wird nicht nur anhand der Ausgangssituation des finanziell schlecht gestellten Familienvaters als Hauptcharakter deutlich, auch Elemente wie die Entmannung Jochens durch die Affäre seiner Frau lässt „BB“-Kenner doch stark an die sexuelle Ödnis zwischen Walter (Bryan Cranston) und Skyler (Anna Gunn) erinnern.
Auch das Fachwissen, dass Jochen aufgrund seiner Druckerei aufzuzeigen vermag, ähnelt den Chemikerkenntnissen Walters, welches diesen nicht nur auf die schiefe Bahn bringt, sondern im Endeffekt sogar dominieren lässt. Eine weitere Parallele stellen die Vorausblenden dar, die uns bereits zeigen, wie Jochen auf der Flucht sämtliche Blüten vernichtet. Dass dieser also „bad breakt“ scheint bereits in der Pilotfolge nahezuliegen.

Neben diesen narrativen Parallelen bleiben jedoch Charakterkonstruktionen wie die Nähe zur Exekutive à la Hank Schrader (Dean Norris) aus. Was die Funktion Jesse Pinkmans (Aaron Paul) als Zugang zum kriminellen Milieu angeht, bleibt abzuwarten, in welche Richtung sich die Beziehung zwischen Jochen und Damir entwickeln wird. Dennoch bleibt der Eindruck bestehen, dass dem kennenden Zuschauer auch ohne den inoffiziellen Untertitel „deutsches ,Breaking Bad'“ die Parallelen auffallen würden.
Dabei wird auch der Handlungsort des Frankfurter Umlands als kapitalistische Hochburg Deutschlands dem Thema der Serie mehr als gerecht und lässt den Zugzwang, der Jochen zu seinen unmoralischen Taten bewegt, noch nachvollziehbarer erscheinen. Mögen einzelne Elemente wie die pubertären Probleme der Kinder oder die Affäre der Ehefrau etwas an typischere Serien aus dem Hause ZDF erinnern, stellt der Serienauftakt insgesamt eine gesunde Mischung aus packender Kleinkriminellen- und zugänglicher Familienserie dar.
Fazit
Sicherlich bietet der Serienauftakt von Morgen hör' ich auf wieder einmal das Potential, die Masse der Zuschauer zu spalten, was besonders durch den fragwürdigen Vergleich zur Erfolgsserie aus den Staaten naheliegt. So könnte der Pilot Breaking Bad-Kennern aufgrund der ZDF-freundlicheren Machart als zu harmlos aufstoßen, wohingegen der Stammzuschauer durch die späte Sendezeit an der Serie vorbeischaltet.
Einen weiteren Bewertungsfaktor stellt sicherlich der Genrewechsel des vor allem aus dem Comedybereich bekannten Bastian Pastewka dar, welcher sich für mich vor allem durch seine Rolle in Pastewka nicht ganz leicht in das ernste Fach einordnen lässt. Doch auch Bryan Cranston gehörte für mich am Anfang von Breaking Bad vor allem zu „Malcolm in the Middle“ oder King of Queens, weshalb ich besonders auf die weitere Charakterentwicklung Lehmanns gespannt bin.
Während das Tempo in Szenen wie dem Ausbruch aus dem zugemauerten Teilzeitgefängnis besonders aufzutrumpfen vermag, lässt es hier und da noch zu wünschen übrig. Die kleinen Storylines der einzelnen Familienmitglieder dienen zwar dazu, die Ausgangssituation für Jochen näher zu erläutern, verwischen jedoch auch den Fokus von einer zu vielen Hauptfiguren. In dieser Erzählweise als Familiengeschichte liegt sicherlich der größte Unterschied zum Titelfigur-zentrierten Chemielehrer. Ein weiterer kleiner Kritikpunkt ist für mich die etwas inflationär eingesetzte musikalische Untermalung, die für meinen Geschmack etwas weniger sein könnte.

Doch insgesamt geht die Mischung aus packendem Drama und lockerer, kurzweiliger Erzählung äußerst gut auf und macht auf Anhieb Lust auf mehr. Das liegt sicherlich auch an dem gut gesetzten Cliffhanger der plötzlich auftauchenden Polizei. Ob der zuvor angeführte Vergleich zu Breaking Bad dabei mehr Fluch als Segen ist, soll nicht an dieser Stelle, sondern nach dem Finale der Serie diskutiert werden, weshalb ich der Serie noch eine Stunde in „Hennings Heimatkunde“ gönnen werde.
Hier kannst Du die Episode Schöner Schein in der ZDF-Mediathek schauen