I Know What You Did Last Summer 1x01

© Know What You Did Last Summer (c) Amazon
Wusstet Ihr, dass der 90er-Jahre-Slasher „I Know What You Did Last Summer“ („Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“) auf einem Roman aus den 70ern basiert? Und dass die Auflösung in Lois Duncans Originalgeschichte komplett anders ist als im Film mit Jennifer Love Hewitt, der im Windschatten von „Scream“ erschien? Seitdem sind fast 25 Jahre vergangen, auch wenn eine dritte Direct-to-Video-Fortsetzung noch 2006 herauskam. Höchste Zeit also für eine moderne Inkarnation, dachte sich Amazon Prime Video - schließlich gibt es sowieso keine „IKWYDLS“-Puristen (als würde das jemanden aufhalten...) und die Scream-Serie lief ja auch drei Staffeln lang recht erfolgreich.
Im Auftakt It's Thursday, der von Regisseur Craig William Macneill mit einem Drehbuch von Sara Goodman und Shay Hatten gedreht wurde, merken wir zunächst, dass die verregnete Kulisse von North Carolina durch das Setting der sonnigen Hawai'i-Insel Oahu ersetzt wurde. Hier macht eine junge Frau (Madison Iseman), die einen viel zu langen Monolog aus dem Off darüber hält, wie falsch und doppelzüngig die Menschen sind, bei der Rückkehr in ihr Zuhause eine grausige Entdeckung im Kleiderschrank. Die blutige Überraschung ist mit der Nachricht „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ am Spiegel versehen... Doch: Was hat sich damals zugetragen? Flashback-Time!

Vor einem Jahr feierten sie und ihre Zwillingsschwester (ebenfalls Iseman) gemeinsam mit Freund:innen und Schulkamerad:innen im großen Stil den Highschool-Abschluss. Während Lennon ein absolutes Partygirl ist, das Drogen nimmt und mit jeder und jedem rummacht, kommt Alison kaum aus sich heraus und hat nur Augen für den ebenso schüchternen Nerd Dylan (Ezekiel Goodman). Während wir auf der Party, von der wir viel zu viel mitbekommen, das restliche Ensemble kennenlernen, kommt es zwischen den Schwestern zum Streit, denn Lennon hat offenbar mit Dylan rumgemacht, um Alison eins auszuwischen und sie zu provozieren. Als dann auch noch die Polizei aufkreuzt, ergreifen Riley (Ashley Moore), Johnny (Sebastian Amruso), Margot (Brianne Tju), Lyla (Fiona Rene), Dylan und Lennon mit ihrem restlichen Drogenvorrat im Wagen die Flucht, um anderweitig weiterzufeiern.
Mal so am Rande: Eskalation und gut platzierter Hedonismus sind schön und gut, aber Serien- und Filmschaffende könnten mal einsehen, dass das Zusehen beim Feiern sehr schnell unausstehlich wird - egal, wie vermeintlich „authentisch“ es inszeniert ist. Die Szenen tun ihr Übriges, die egozentrischen Charaktere nicht gerade sympathisch rüberkommen zu lassen, was für diese spezielle Story zugegebenermaßen notwendig ist. Es macht aber keinen Spaß, dem Gewusel so lange wie hier beizuwohnen, wenn ihm ein Großteil der ersten Episode gewidmet wird, weil die gestreckte Story, für die der Film keine zwei Stunden brauchte, jetzt ja achtmal eine Stunde lang sein muss.
Auf der Spritztour kommt es dann, wie es kommen muss: Die sechsköpfige Partytruppe überfährt jemanden - und zwar ausgerechnet die Schwester der am Steuer sitzenden Lennon... Von Rich-Girl Margo lässt die Clique sich nach einigem Hin und Her überzeugen, dass ein Geständnis sie auch nicht zurückbringen würde und so beschließen sie kurzerhand, ihre Leiche in einer Höhle abzulegen, wo die Flut sie irgendwann abholen wird.
Wie dann aber ein Flashback im Flashback enthüllt, ist die Angelegenheit ganz anders, was faszinierenderweise gleichzeitig komplett weit hergeholt und doch total offensichtlich ist: Es war in Wirklichkeit die aufgebrachte Alison und nicht Lennon, die mit der Jacke ihrer Partyschwester ins Auto gestürmt und schließlich mit dem Rest der Gruppe losgefahren ist. So war es auch am Anfang der Folge nicht Lennon, die nach dem traumatischen Vorfall ihrer Schwester ähnlicher wurde, sondern immer noch Alison, die nur die Identität ihrer Schwester angenommen hat. Dass nur noch eine von beiden übrigbleibt, ist aber ehrlich gesagt ein Segen, denn die Szenen in Doppelbesetzung mit Körperdouble waren etwas awkward mitanzusehen.
Doch wer ist jetzt als Rache für den letzten Sommer hinter ihr her? Hoffentlich nicht die äquivalente Person zur Filmauflösung, denn diese Option wäre hier genauso offensichtlich wie der Hanni-und-Nanni-Twist aus dem Auftakt...
Fazit
Für eine Slasherserie wird in der ersten Folge von I Know What You Did Last Summer ganz schön wenig geslasht. Während der Film nach einer Stunde schon halb rum ist, verbringen wir hier unnötig viel Zeit auf einer Abschlussparty, um die Fahrerfluchtbande kennenzulernen, was die Charaktere näherbringt, aber kaum unterhaltsam ist. Doch auch andere Sequenzen, wie die anfängliche Rückkehr nach Hause oder die Diskussion nach dem Unfall, ziehen sich hin, ohne dass die Geschichte an Fahrt aufnehmen könnte. Ein halbstündiges Format hätte dem Stoff viel besser getan. So befindet sich leider etwas zu viel Teendrama-Fett an dieser Version, die eher etwas für Riverdale- als für B-Movie-Horrorfans zu sein scheint. Schauspielerisch tun die beiden Kategorien sich ja nicht viel.
Die ersten vier Folgen von „I Know What You Did Last Summer“ sind heute auf einen Schlag online gegangen, die restlichen vier werden im Wochentakt auf Amazon veröffentlicht.
Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Serie „I Know What You Did Last Summer“ beim Streamingdienst Amazon Prime Video:
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Verfasser: Mario Giglio am Freitag, 15. Oktober 2021I Know What You Did Last Summer 1x01 Trailer
(I Know What You Did Last Summer 1x01)
Schauspieler in der Episode I Know What You Did Last Summer 1x01
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