
Der Plot der neuen Familiencomedy How to Live With Your Parents for the Rest of Your Life ist schnell etabliert. Die abgebrannte Jungmutter Polly (Sarah Chalke, Scrubs) kehrt mit Tochter Natalie (Rachel Eggleston) ins Haus ihrer Eltern zurück, um vor ihrem chaotischen, aber liebenswerten Ex-Mann Julian (Jon Dore) zu flüchten.
I'm very comfortable talking about sex.
Die Eltern, dargestellt von Comedyveteranen Elizabeth Perkins (Weeds) als Mutter Elaine und Brad Garrett (Everybody Loves Raymond) als Stiefvater Max, sind von der Idee erst einmal wenig begeistert, befinden sie sich doch gerade wieder einmal auf Entdeckungsreise zu neuen sexuellen Ufern. Aus dieser Konstellation speist sich ein Großteil der mehr oder weniger gelungenen Gags. Tochter Polly zeigt sich als verantwortungsvolle Mutter, während mehrere Flashbacks nahelegen, dass ihre Eltern genau dies nicht waren.
Neben den genannten Rückblenden kommen mehrere zusätzliche Comedy-Stilmittel zum Einsatz, die das Gesehene wohl auch dem letzten Zuschauer nahebringen sollen. Mittels Voice-over erklärt Hauptdarstellerin Chalke jegliche Zusammenhänge innerhalb der doch recht einfachen Familienkonstruktion. Einblendungen und Beschriftungen während dieser Besprechungen sorgen für zusätzliche Transparenz des jeweiligen Handlungsstrangs.
What are we gonna talk to her about? Kids are boring.
Natürlich sind die Hauptdarsteller nicht allein, wenn es ums Stemmen der Geschichte geht. Nach sechsmonatiger Rekonvaleszenz findet Polly Arbeit an der Safttheke eines Supermarkts, der alte schrottige Käfer wurde durch einen neuen Beetle ersetzt und das chaotische Auftreten gegen ein gespielt-souveränes ausgetauscht. Vor allem ihr Vorgesetzter im Supermarkt hat darunter zu leiden. Den betrachtet sie nämlich als asexuellen Weichling, der ihrer Beachtung nur in den seltensten Fällen würdig ist.
Einer dieser Fälle tritt ein, als Polly während der Arbeit ein Auge auf den von ihren Kollegen „Jewish Superman“ getauften Luke (Rick Federman) wirft. Sie kolportieren, dieser würde stets in der Käseabteilung herumscharwenzeln, wobei ein Blick auf seinen gestählten Körper verrate, dass er niemals Käse konsumiere. Das Date findet also statt, vorher muss Polly jedoch genug Überzeugungsarbeit bei ihren Eltern leisten, damit diese die kleine, angstvolle Natalie babysitten.
Den eisernen Comedy-Regeln streng folgend, geht natürlich alles schief, was nur schiefgehen kann. Das Date gerät völlig außer Kontrolle, weil der gutaussehende Luke sich als Schluffi enttarnt, der es vor einer Verabredung nötig hat, sich eine Ration Diazepam zu verabreichen. Das Arzneitmittel hilft gegen Angstzustände und sollte unter keinen Umständen mit Alkohol vermischt werden. Trotzdem überredet Polly den Beau dazu, einige Cocktails zu schlürfen.
Währenddessen befinden sich Elaine und Max auf ihrem Kreuzzug gegen die diversen Ängste von Natalie, die sie, wie sich später herausstellt, von ihrer Mutter geerbt hat. Dazu gehört vor allem auch die panische Angst vor Hunden, was die beiden „Erwachsenen“ dazu veranlasst, einen ebensolchen zu adoptieren. Am Ende werden die beiden Handlungsstränge im Haus der Familie zusammengeführt und Pollys heißes Date endet im Fiasko, dem jedoch alle Parteien nach kurzem Streit etwas Positives abgewinnen können. Zu den Klängen des wunderbaren „Home“ von Edward Sharpe & The Magnetic Zeros endet dieser luftig-leichte Comedypilot.
Fazit
Diese harmlose Familienserie wird hauptsächlich von ihren Hauptdarstellern getragen, die allesamt namhafte Rollen in erfolgreichen Comedyformaten vorweisen können. Elizabeth Perkins und Brad Garrett liefern dabei noch die solidesten Darstellungen ab, während Sarah Chalke ihre Anstrengungen auf ein Standardrepertoire reduziert.
Ein Lichtblick im Ensemble ist sicherlich Jon Dore als Ex-Nann Julian, der in seiner trottelig-verträumten Art einigen Zuschauern sicherlich schnell ans Herz wachsen wird. Leider kann auch er nicht das grundlegende Problem der Serie lösen, das sich in leichter Abwandlung lapidar so zusammenfassen lässt: „Been there, seen that.“
Jegliche eingesetzten Stilmittel zeugen weniger von der Phantasie der Autoren, denn von mangelnden Ideen fürs Storytelling. Ein gutes Drehbuch kann sicherlich auf das eine oder andere dieser Hilfsmittel verzichten. Dass sie in solcher Fülle auftreten, lässt das Urteil folglich weniger mild ausfallen. Die Gags regen zwar teilweise zum kurzzeitigen Schmunzeln an, konnten jedoch so oder in ähnlicher Form schon mehrmals anderswo begutachtet werden („What do you mean, there's no Santa?“).
Wer sich also 20 Minuten lang von geübten Schauspielern berieseln lassen will, dem sei How to Live With Your Parents for the Rest of Your Life ans Herz gelegt. Alle anderen dürfen getrost wieder vergessen.