
Die Pilotepisode der Serie Guilt wird mit jeder neuen Wendung, also quasi im Minutentakt mehr zur Seifenoper. Das kann man mögen - oder sich einfach etwas anderes zum Anschauen suchen, denn der Weg führt nur weiter ins Melodrama.
Worum geht es?
Nach einer wilden Partynacht in ihrer WG wird die junge Austauschstudentin Molly in London ermordet. Unterdessen vertreibt ihre Mitbewohnerin und Freundin Grace (Daisy Head) sich die Zeit mit ihrem französischem Freund Luc (Zachary Fall) auf dem Dach des Apartmenthauses. Als am nächsten Morgen die furchtbar zugerichtete Leiche in einem blutverschmierten Zimmer gefunden wird, stehen alle vor einem Rätsel. Und schon in den ersten Tagen werden immer mehr Leute in die Ermittlungen hineingezogen. Da hätten wir einmal den attraktiven Cop DS Bruno (Cristian Solimeno, „Footballers' Wives“) der alles tun würde, um herauszufinden, wer der Mörder ist.
Und da wäre sein neuer love interest, die US-Staatsanwältin Natalie (Emily Tremaine, Vinyl), Graces Schwester, die sofort anreist als sie hört was geschehen ist. Im Lager der britischen Ermittler befindet sich außerdem Gwendolyn Hall (Naomi Ryan, Mr. Selfridge), die aber passenderweise vor allem Kontakt zum nicht minder hübschen Bruder des Mordopfers hält, Kevin (Patrick Ryan).
Dazu gesellt sich der eiligst einbestellte Anwalt von Grace, Stan (Billy Zane, „Titanic“), der gegen jede Regel der Höflichkeit verstößt, derer er habhaft werden kann, aber vermutlich ein Genie auf seinem Gebiet ist. Außerdem gewinnt er Stück für Stück das Vertrauen (und vermutlich das Herz) der Schwester seiner Klientin.
Im Mittelpunkt steht jedoch natürlich Grace und die Frage, ob sie eine Psychopathin mit Rehaugen ist oder eine Unschuld vom Lande, die zur falschen Zeit am falschen Ort war. Doch schon in der Pilotepisode wird klar, dass das nicht alles ist. Es geht auch um absurde Verstrickungen, die bis in die High Society der britischen Metropole führen. So erfahren wir, dass Theo (Sam Cassidy, Stella), niemand geringeres als der Prinz des Königshauses, an dekadenten Sexpartys teilnimmt und vermutlich auf diesem Wege das spätere Mordopfer kennen und lieben gelernt hat. Und als wäre das nicht genug, haben die beiden Schwestern Grace und Natalie auch noch mit einem mehr als unangenehmen Stiefvater (Anthony Stewart Head, in Realität der echte Vater seiner Serienstieftochter Daisy Head und bekannt aus Buffy the Vampire Slayer) zu kämpfen, der zwar schnell einen Anwalt anheuert, aber von seiner älteren Stieftochter auch schnell als möglicher Liebhaber des blutjungen Mordopfers identifiziert wird. Dass er sowas tun würde, weiß sie aus Erfahrung. Doch auch ihre eigene Schwester ist kein Kind von Traurigkeit, hat sie doch eine Affäre mit ihrem Professor vorzuweisen. Und mehrfach dessen Reifen zerstochen als sie herausfand, dass er bereits eine Ehefrau hat.
Zurück zum Fall: Der Schritt, der Grace in den Verdacht rückt, eine Mörderin zu sein, ist ihr Versuch nach dem ersten Verhör gemeinsam mit Luc nach Frankreich zu fliehen, weil sie sich verfolgt fühlt als sie alleine nachts durch eine einsame Unterführung läuft. Für den Zuschauer ist ihr Verhalten weniger verdächtig als vielmehr dumm, was eher Augenrollen als Misstrauen erweckt. Dass sie am Ende der Pilotepisode jedoch ins Leere lächelt nachdem sie ein Video des Mordopfers angesehen hat, kann man als eindeutigen Hinweis darauf verstehen, was wir glauben sollen.
Wie kommt es rüber?
Dass es einem weder Spaß macht zu überlegen, wer der Mörder sein könnte, noch ob man zu Grace hält oder nicht, liegt vor allem an einem halbgaren Drehbuch voller leerer Dialoge, die eindimensionalen Figuren in den Mund gelegt werden.
Wir sehen uns also mit einem Mordfall konfrontiert, der uns zu eigenartigen Anwälten, zur Staatsspitze und in ungewöhnliche Liebesverwicklungen führt. Wir sehen hier trotzdem keinen Nachfolger für The Good Wife, eher einen mittelmäßigen Abklatsch von Scandal.
Statt uns einen echten Fall zu zeigen nutzen die Guilt-Macher den Mord an einer Studentin dazu, um möglichst viele exzentrische Figuren in besondere Liebes- und/oder Sex-Verhältnisse zu setzen. Dabei bedienen sie sich zahlreicher Klischees, unter anderem einer Sexparty, die uns wohl nach „Eyes Wide Shut“ zurück transportieren soll, uns dann aber leider meilenweit daneben rauslässt und vor allem lächerlich wirkt. Das trifft auf vieles der Episode zu. Angelehnt soll die Serie an den wahren Mordfall der Meredith Kercher sein, einer britischen Austauschstudentin, die 2007 im italienischen Perugia ermordet wurde. Anschließend geriet ihre amerikanische Mitbewohnerin Amanda Knox unter Verdacht. Sie und ihr italienischer Freund landeten vor Gericht und mussten einen Prozess mitmachen, der durch mehrere Instanzen ging und der ihr jede Menge Medienaufmerksamkeit und den Spitznamen „Engel mit den Eisaugen“ einbrachte.
Nach zwei Verfilmungen, eine mit Hayden Panettiere, folgt mit Guilt nun die erste Serie, die davon profitieren will. Doch das Freeform-Drama ist in der Tat nicht mehr als locker an die wahren Ereignisse angelehnt. In erster Linie ist lediglich die Konstellation einer internationalen Studenten-WG beiden gemeinsam.
Fazit
Die Serie Guilt lädt uns ein in eine Seifenoper mit Prinzen, Sexpartys, reichen Stiefvätern und einem Mordfall, der Rätsel aufgibt. Das kann man annehmen, sollte sich aber eher für einen Scandal-Verschnitt wappnen.
Promo zu der US-Serie „Guilt“: