Good Girls Revolt 1x01

Das Amazon-Pilotprojekt „Good Girls Revolt“ bringt Nora Ephron, das Altamount Free Festival, die Frage nach dem Höchstalter in dem kiffen akzeptabel ist und jede Menge Haarspray. Wir bewegen uns im Jahr 1969, der US-Gesellschaft stehen tiefgreifende Veränderungen bevor, doch in den Redaktionsräumen des Magazins News of the Week weigert man sich noch, das einzusehen.
Nicht nur die Referenzen an wahre Ereignisse und Figuren der Zeitgeschichte, darunter Nora Ephron (Grace Gummer, Extant, The Newsroom) und Eleanor Holmes Norton (Joy Bryant, Parenthood), verankern die Story des Pilotprojekts „Good Girls Revolt“ in der Realität. Hinter der Geschichte steht das Buch „The good girls revolt : how the women of Newsweek sued their bosses and changed the workplace“ aus dem Jahr 2012. Geschrieben wurde es von Lynn Povich, eine von 46 Frauen dieser Klage aus dem Jahr 1970 und erste Frau, die bei dem Magazin zur leitenden Redakteurin wurde.
Fighting over the lower bunk bed in jail
In der Redaktion des Magazins News of the Week sind die Zuständigkeiten klar verteilt: Die Männer gesetzteren Alters haben die Einzelbüros und die Macht, die jüngeren Männer sind die Journalisten und Frauen kommen nur als Rechercheure vor, eine für jeden - natürlich männlichen - Redakteur. Diese Teams konkurrieren miteinander um Storys, die dann von den Oberen nach Gutdünken verteilt werden. Zu Beginn der Pilotepisode der Serie „Good Girl Revolt“ scheinen alle mit den Verhältnissen arrangiert zu haben, doch dann kommt frischer Wind in Form von Nora Ephron in den Laden. Die merkt treffend an, dass der Streit zwischen Patti (Genevieve Angelson, Backstrom) und Jane (Anna Camp, True Blood) über eine Story sich anfühlt als wenn sie um die untere Koje in einer Gefängniszelle kämpfen. Gewinnen kann keine von beiden, denn den Ruhm bekommt an Ende ohnehin der jeweilige Redakteur.
Während wir die Figuren kennen lernen entspinnt sich das Drama um das Altamount Free Festival. Im Jahr 1969 organisierte das Management der Rolling Stones das Konzert als Westküstenversion von Woodstock, das als Ende der Unschuld der Hippiebewegung in die US-Geschichte einging. Verursacht wurde das von dem Tod des Zuschauers Meredith Hunter, der während des Rolling Stones-Auftritts von einem als Sicherheitskraft engagierten Hells Angels-Mitglied im Gedränge vor der Bühne erstochen wurde.
In der Lesart der Amazon-Serie ist es Hippiekind Patti, die mit Hartnäckigkeit und Fingerspitzengefühl die Wahrheit über die Ereignisse ans Licht bringt. Die Story ist zwar an Jane und Sam (Daniel Eric Gold, Ugly Betty!), doch Patti recherchiert auch nach dem Bunkbed-Kampf weiter. Wo die beiden Journalisten während des Kampfes sind? Unwichtig. Wo sind sie während der Recherche? Manchmal hocken sie bei ihrer Assistentin auf der Schreibtischkante während diese ihre Quellen abtelefoniert, meistens jedoch ganz einfach nicht da. Ihre Aufgabe besteht darin, ihren Namen auf die Ergebnisse zu drücken, die ihre Rechercheurinnen erarbeiten und den Ruhm einzusammeln, so erklärt Patty es der neuen Nora Ephron.
Im Laufe der Episode wird deutlich, dass noch eine weitere Aufgabe den Männern zufällt: zu entscheiden, was ins Magazin kommt und was nicht. Während wir Patti beim Recherchieren zusehen und Jane dabei begleiten, wie sie versucht Sam die Ergebnisse schmackhaft zu machen, nimmt letzterer sich vor allem der Aufgabe an, seine Assistentin niedlich zu finden wenn sie ihm aufgeregt von den Ereignissen erzählt. Dazu kommt, dass er es großmütig auf sich nimmt, mit seinem Namen für die Sache zu stehen als der Chefredakteur wankt ob es ins Heft kommt.
Am Ende hat Patti zwei Dates mit Douglas (Hunter Parrish, Weeds), ihrem Freund und Kollegen, verpasst weil sie lieber arbeitet, ihre Kollegin Cindy (Erin Darke) hat festgestellt, dass ihr Mann heimlich ihr Diaphragma durchlöchert um sie vom Arbeiten abzuhalten und die spätere Oscarnominierte Nora Ephron kündigt ihren gerade erst angefangenen Job nachdem sie Herausgeber William McFadden (James Belushi, According To Jim) auf den Punkt vorgeführt hat. Und sie lädt ihre Kolleginnen zu einem Selbstbewusstseinstreffen ein, geleitet von Eleanor Holmes Norton (im wahren Leben mittlerweile Mitglied des US-Repräsentantenhauses), auf dem Frauen sich gegenseitig unterstützen und sich den Mut geben, ihren eigenen Weg zu gehen.
„Good Girls Revolt“ zeigt uns eine Zeit auf, die von großen Veränderungen geprägt ist. Auf der einen Seite diejenigen an der Macht, die auf viele Weisen versuchen, den Status Quo zu konservieren und auf der anderen Seite diejenigen, die bis dahin klein gehalten worden sind und die sich jetzt ihr Recht erkämpfen. In der Redaktion der News of the Week geht diese Entwicklung nicht in großen Schritten voran.
Like I tell my daughters, no woman looks her best in jeans
Das erste Gefühl, das einem beim Anschauen der Pilotepisode zu „Good Girls Revolt“ überkommt ist Wut auf die Art, wie die Rechercheurinnen nicht nur von dem unausstehlich gut gespielten McFadden behandelt werden. Und die Freude darüber, dass Patty sich nicht entmutigen lässt und Nora sich durchsetzen kann.
Durch die Vertreterin der Hippiegeneration Patty lernen wir einiges über die Weltsicht und die Hoffnungen als die Bewegung noch jung war. Wir dürfen nach einer guten Viertelstunde auch bei einem Gespräch unter Männern anwesend sein, wo sie ihre Sicht auf die Zustände präsentieren und spätestens dort trifft einen die Erkenntnis, dass hier ziemlich viel Oberflächlichkeit am Werk ist. Es geht dabei kaum mehr darum, wie es wirklich war, sondern darum, dass es uns keine neue oder tiefere Sicht auf die Dinge liefert. Die Referenzen bleiben bekannt und vorhersehbar, die Figuren stecken in festen Schubladen. Trotz ihrer wahren Vorlage fühlt die Story sich nicht an wie von jemandem erzählt, der dabei war, sondern von Nachgeborenen, die sich interessieren, denen jedoch die Möglichkeit fehlt, abseits der bekannten Wege unterwegs zu sein.
Muss das jetzt was durchweg Schlechtes sein? Nicht unbedingt. Man darf halt nicht mit der Erwartung an die Serie gehen, die man an Mad Men oder The Americans hat. Es scheint den Machern nicht darum zu gehen, eine bekannte Geschichte neu und aus unbekannten Winkeln zu erzählen, sondern darum eine viel zu oft ignorierte Story bekannter zu machen, auch wenn sie dafür eine ästhetisch verklärte Seite der 70er hochgeholt werden müssen.
Ebenso vertraut wie die Geschichte wirken auch viele der Darsteller. Das Projekt ist mit einer guten Mischung aus großen Namen (James Belushi) und Gesichtern mit Moment-Mal-die-kenne-ich-aber-woher-Effekt (zum Beispiel Anna Camp, die religiöse Fanatikerin aus True Blood und Hunter Parrish, der ältere Sohn aus Weeds) besetzt.
Fazit
Die Pilotepisode des Amazon-Projekts „Good Girls Revolt“ erzählt eine interessante und wichtige Geschichte mit relativ oberflächlichen Mitteln und starken Darstellern.
Verfasser: Serienjunkies.de am Sonntag, 15. November 2015Good Girls Revolt 1x01 Trailer
(Good Girls Revolt 1x01)
Schauspieler in der Episode Good Girls Revolt 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?