Wer eine Geschichte über misshandelte Kinder in einem Gefängnis erzählen will, der sollte sich trauen, genau hinzuschauen. Doch die Pilotepisode des US-Remakes Game of Silence kratzt mit weichgespülten Bildern nur an der Oberfläche.

Cast der Serie „Game of Silence“ / (c) NBC
Cast der Serie „Game of Silence“ / (c) NBC

Die US-Serie Game of Silence hat viele Vorbilder. Offiziell ist es ein Remake der türkischen Serie Suskunlar, die 2012 erfolgreich lief und in zahlreiche Länder verkauft wurde. Die Serie wiederum basiert zu Teilen auf dem Roman „Sleepers“ von Lorenzo Carcaterra, dem gleichnamigen Film, der auf dem Buch basiert und zu anderen Teilen auf einem Zeitungsartikel von 2012, der den Missbrauch kurdischer Kinder in der Pozani Juvenile Prison aufdeckte. Im Vergleich von allen beteiligten fiktionalen Werken, die damit in Zusammenhang stehen, schneidet das US-Remake leider recht schlecht ab.

Worum es geht

Zuschauern der türkischen Serie oder des Films muss man das nicht mehr lange erklären, für alle anderen folgt hier eine Zusammenfassung der Ausgangslage, wie sie uns in der Pilotepisode vor Augen geführt wird.

Jackson (David Lyons, Revolution) ist ein erfolgreicher Anwalt in einer Luxuskanzlei, er ist mit seiner Chefin Marina (Claire van der Boom, Rush) zusammen und die nächste Beförderung steht unmittelbar bevor. Es könnte also schlechter laufen für den Jungen aus der Kleinstadt Dalton in Texas. Doch dann kehren die Schatten, die über seinem Leben liegen, in Form von Gil Harris (Michael Raymond-James, Once Upon a Time, True Blood) in sein Leben zurück. Eines Tages steht der Kindheitsfreund im Büro des strahlenden Anwalts und erklärt, dass ihr gemeinsamer Freund einen Anwalt brauche. Was harmlos wirkt, reißt alte Wunden auf und die haben es in sich.

In Rückblicken erfahren wir, was an einem verhängnisvollen Sommertag in der Kleinstadt geschah: Während die vier Jungs die selbsternannte Zeit ihres Lebens haben, versuchen sie ihre Freundin Jessie (Bre Blair, The Unit) vor ihrer alkoholabhängigen Mutter zu retten und stehlen im Verlauf dieser Aktion deren Auto. Mit dem bauen sie einen folgenschweren Unfall. Der bereits von Anfang als strahlender Held gebrandmarkte Jackson schickt Jessie von der Unfallstelle fort, damit niemand erfährt, dass sie ebenfalls mit im Auto saß. Die vier Jungs büßen den Streich mit neun Monaten in der Quitman Youth Detention Facility. Dort werden sie von den Wärtern und anderen Gefangenen misshandelt und gefoltert.

Nun, Jahrzehnte später wird einer dieser Übeltäter attackiert und einer der ehemaligen Freunde, Boots (Derek Phillips), landet zunächst in der Untersuchungshaft und dann im Krankenhaus. Die ehemaligen Angreifer der vier Jungen sind zu einem kriminellen Netzwerk gewachsen, das sich auf beiden Seiten des Gesetzes, bis in die hohe Politik zieht.

Doch zunächst geht es darum, die anderen drei wieder zusammenzutrommeln, denn die hatten sich einst nach der Freilassung geschworen, die Dinge und sich gegenseitig zu vergessen, um weiterzumachen. Besonders gut hat das Jackson gehandhabt, der es als einziger wirklich aus dem Kleinstadtmief geschafft hat und nun auf der Sonnenseite des Lebens steht. Doch am Totenbett seines Freundes gibt er zu, sich zu erinnern. Und nun verstricken sich die Freunde in einen gefährlichen Rachefeldzug, der vermutlich noch das eine oder andere Leben kosten wird.

Wie es rüberkommt

Vieles in der Pilotepisode ist traumatisch, zumindest soll es das sein. Denn die weichgespülten Bilder, denen man ein anscheinend knappes Budget ansieht, und das flache Drehbuch stehen in krassen Gegensatz zu den Furchtbarkeiten, die man uns erzählen will. Die Rückblicke ins Gefängnis sehen zu glatt aus, Bühnenbild, Verletzungen und Komparsen sehen halbherzig arrangiert aus. Das aus den Nasen fließende Kunstblut weckt Erinnerungen an schlechte Filme und weniger Angst um die Jungs. Selbst die Beleuchtung im angeblich nachtdunklem Gefängnis bricht die Illusion, dass hier etwas Echtes passieren könnte.

Die NBC-Verfilmung Game of Silence lässt alles außer Acht, was die türkische Serie und auch den Film groß gemacht hat. Statt uns in dichten Bildern die Bedrohung, die Angst und die Stummheit nahezubringen, uns die Auswirkungen auf die Figuren als Charaktere zu zeigen, setzen die US-Macher auf eine Mischung aus Action- und Thriller-Genre.

Doch dafür ist die Geschichte zu oft gehört worden, es ist die Story eines Rachefeldzugs der Entrechteten. Und so glatt wie die Pilotepisode sich anfühlt, wird das Gute am Ende siegen. Zumindest für den strahlenden Held Jackson sieht es gut aus.

Fazit

So richtig stolz scheint man ja auch bei NBC nicht mehr auf das Remake zu sein. Doch das sollte niemanden davon abhalten, der Serie Game of Silence eine Chance zu geben. Leider fühlt sich nicht nur das Drumherum sondern auch die Pilotepisode selbst halbherzig gemacht an. Statt bedrückender Bilder bekommen wir weichgespülte Klischees, statt starkem Drehbuch zieht sich Oberflächlichkeit durch die Story. Schade, denn das Original, Suskunlar ist sehr sehenswert. Von den Stärken der türkischen Serie ist im Remake nicht mehr viel zu sehen.

Trailer zur US-Serie „Game of Silence“:

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