Daisy Jones & The Six: Come and Get It - Review der Pilotepisode

Daisy Jones & The Six: Come and Get It - Review der Pilotepisode

Bei Amazon Prime Video ist ab sofort die Romanverfilmung Daisy Jones & The Six zu sehen. Es handelt sich um eine Art dramatische Mockumentary zu einer Band. Doch reicht der Stoff für zehn Episoden aus oder hätte man eher einen knackigen Film daraus machen sollen?

Szenenfoto aus der Serie Daisy Jones & The Six (c) Amazon Prime Video
Szenenfoto aus der Serie Daisy Jones & The Six (c) Amazon Prime Video
© zenenfoto aus der Serie Daisy Jones & The Six (c) Amazon Prime Video

Ich mag Musikserien. Ich habe Glee, Schmigadoon!, Zoey's Extraordinary Playlist, Central Park, Flight of the Conchords und Little Voice geschaut und die meisten davon sehr gemocht. Ebenso mag ich zumindest die musikalischen Aspekte von Nashville, halte Galavant für kriminell underrated, konnte mit Star sowie Empire aber wiederum nicht warm werden.

Nun versucht Daisy Jones & The Six von Amazon Prime Video so etwas wie ein dramatisches „This Is Spinal Tap“ zu sein, was aber nur bedingt gelingt. Der musikalische Aspekt ist zwar größtenteils harmonisch und geht ins Ohr, das Drama und der Retrocharme bringt jedoch sonst wenig Neues, wenn man andere period pieces kennt.

Wovon handelt Daisy Jones & The Six?

Szenenfoto aus Daisy Jones and The Six
Szenenfoto aus Daisy Jones and The Six - © Amazon Prime Video

Es geht in der Roman-Adaption um den Aufstieg und Niedergang einer fiktiven Rockband in den 1970ern. Die Serie beginnt am Höhepunkt des Ruhms im Jahr 1977 und der Behauptung, dass es sich zeitweise um die größte, beliebteste Band der Welt gehandelt haben soll. Also wohl auch größer, als alles, was damals schon Rang und Namen hatte: The Beatles, The Rolling Stones, The Who, The Doors und so weiter.

Im Mittelpunkt stehen die zwei Bandleader und Leadsänger namens Daisy Jones (Riley Keough, The Girlfriend Experience) und Billy Dunne (Sam Claflin; „Ein ganzes halbes Jahr“, „Die Tribute von Pamen“). Ausgerechnet am Gipfel angekommen, nach einer ausverkauften Show im legendären Chicagoer „Soldier-Field“-Stadion, kommt es zur dramatischen Trennung.

Wie es dazu kam, erfahren die Zuschauer aber nicht direkt, sondern nur indirekt via Dokumentation innerhalb der Serie, in der 20 Jahre später alle Bandmitglieder und Weggefährten berichten. Gerade zwischen Billy und Daisy muss es viel böses Blut gegeben haben, so die Annahme, denn davon ist in den ersten beiden Episoden wenig zu sehen, die erst einmal erste Berührungen mit Musik, Gigs, Bands, Ruhm und so weiter aufdröseln. Das ist eine riskante Taktik, die aber durchaus Neugier erzeugen kann - wenn das Material dahinter auch stark genug ist, um die Zuschauer bei der Stange zu halten. Ein Versprechen, dass die ersten Folgen bei mir nicht einlösen konnten.

Vieles, was wir sehen, ist sehr mondän: Elternteile, die entweder nicht vorhanden sind oder das Gesangstalent torpedieren, Ambitionen, die durch Collegepläne fast beendet werden, die Suche nach passenden Talenten und Stimmen. Experimente mit Drogen und Songwriting sowie Konflikte mit Partnern und geistigem Eigentum an Ideen. Klar sind das klassische Elemente in einem Musikdrama. Aber irgendwie ist das oftmals auch etwas Dröge. Keough, Enkeltochter von Elvis Presley, dem „King of Rock 'n' Roll“, und Dunne sind die Sympathieträger und Eyecatcher, aber können aus dem Material, das wie schon zigmal gesehen wirkt, wenn man ähnliche Erzählungen aus den 60ern und 70ern kennt, wenig Neues oder Frisches liefern.

Szenenfoto aus Daisy Jones %26 The Six
Szenenfoto aus Daisy Jones %26 The Six - © Amazon Prime Video

Etwas am Ball hielten mich die Figuren Camila (Camila Morrone) und Karen (Suki Waterhouse), die aber eher Nebendarstellerstatus haben, aber immerhin so angelegt sind, dass sie beim Rockstar-Bullshit nicht tatenlos zusehen wollen. Dazu kommen noch angedeutete Liebesdreiecke und natürlich Konflikte innerhalb der Band.

Die beste Band der Welt?!?

Szenenfoto aus Daisy Jones and The Six
Szenenfoto aus Daisy Jones and The Six - © Amazon Prime Video

Nein, gemeint sind weder Die Ärzte, noch die Beatles oder die Stones, sondern eben „Daisy Jones & the Six“ - und mit so einer rotzfrechen Behauptung sorgt man als kreative Gestalter der Serie, bei denen es sich um Scott Neustadter und Michael H. Weber („500 Days of Summer“, Friends with Benefits) handelt, auch für hohe Erwartungen, die fast nur enttäuscht werden können. Denn dann muss man in meinen Augen auch liefern.

Das ist aber ein allgemeines Problem, was ich mit zwei anderen Serien vergleichen möchte: 30 Rock und Studio 60 on the Sunset Strip (falls sich jemand an die kurzlebige Sorkin-Serie über Late-Nights erinnert). Beide Serien spielten hinter den Kulissen von Sketch-Comedyserien, hatten aber vor allem anfangs Probleme damit, auch komische, im Sinne von „witzige“, Skits zu zeigen. Das änderte sich bei „30 Rock“ glücklicherweise, weil NBC hier einen langen Atem bewies.

Bei Musik ist das aber eine große Hürde. Die Musik in der Amazon-Produktion ist ohne Frage nett, aber in den ersten Folgen fast ausschließlich Covermusik oder, weil man tolle und frische Songs eben nicht aus dem Ärmel schüttelt, sehr selten. Wenn man mich als Zuschauer dann schon nicht dramaturgisch abholt, dann hätte man zumindest mit der Musik eine weitere Chance. Und, geschenkt: Die erste Folge endet mit einem tollen Stück am Piano. Wenn man aber trotz überschaubarer 45-Minuten-Folge sonst nur wenig zu bieten hat, was man aber nicht schon dutzende Male besser gesehen hat, dann hat es ein Format schwer...

Rockumentary?

Eine Art Mockumentary im Dramaserien-Bereich zu liefern, ist ein durchaus unverbrauchter Ansatz und ist gut, um die „tatsächlichen“ Ereignisse mit den gewohnten Erkenntnissen 20 Jahre später zu vergleichen und zu entlarven - und da hat die Serie gewisse Reize. Doch auch da wäre irgendwie mehr drin. Es ist nicht super innovativ, Musiker als Drogenopfer zu zeigen oder als Ehebrecher, die sich auf Groupies einlassen. Allerdings frage ich mich dann auch manchmal, was denn eine Alternative wäre, die trotzdem für sehenswertes Fernsehen sorgt...

This Is Us war zwar keine typische musikalische Serie, hatte aber wegen Rebecca (Mandy Moore) und Kate (Chrissy Metz) oft genug dramatische Plots zu bieten, deren Auflösung man gerne geschaut hat. Manchmal habe ich den Eindruck, dass die 60er und 70er Jahre mit ihrem Flower Power, Summer of Love und Ähnlichem automatisch in diese Richtung gepresst werden. Solche Gedanken müsste man sich in der Rezeption aber gar nicht machen, wenn die Klischees einfach weniger präsent wären. Das ist einfach schade, weil sicherlich irgendwo das Gerüst einer interessanten Story steckt.

Fazit

Szenenfoto aus Daisy Jones and The Six
Szenenfoto aus Daisy Jones and The Six - © Amazon Prime Video

Es passiert öfter mal, dass man ein Format darauf basierend, was man in den Trailern gesehen hat sowie nach den Darstellern und den Machern, an sich sehr viel mehr mögen möchte, als es dann der Fall ist, wenn man sich die Folgen anschaut. So ein Beispiel ist Daisy Jones & The Six für mich. Es sind viele Elemente vorhanden, die mir gefallen sollten. Aber eben auch einiges, was mir sauer aufstößt. Der Drang weiterzuschauen, ist irgendwie da - ob ich das aber tatsächlich machen werde, ist noch unklar.

Als Nebenbeschäftigung oder für die Musik wage ich vielleicht erneut einen Blick in die Adaption des Werkes von Taylor Jenkins Reid. Wie einleitend geschrieben hätte das Ganze sicherlich auch Zeug für einen deutliche strafferen Film gehabt, statt das auf zehn Episoden zu verlängern. Doch die beste Musikserie der Welt ist das Amazon Prime Video-Format mit ziemlicher Sicherheit nicht. Somit gibt es bislang nur drei von fünf Konzertabbrüche.

Hier abschließend noch der Originaltrailer zur Serie „Daisy Jones & The Six“:

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