Bless the Harts 1x01

© ie ist die neue Zeichentrickserie Bless the Harts gelungen? (c) FOX
Die Glanzzeiten des sonntäglichen Animationsblocks bei FOX feierte der Sender wohl, als er The Simpsons, Family Guy, American Dad und Bob's Burgers gleichzeitig im Programm hatte. Seit American Dad zu TBS rübergewandert ist, fehlt ein viertes Format, das den zweistündigen Programmblock komplettiert. In den letzten Jahren hat man beim Sender erfolglos normale Comedyserien probiert, doch eigentlich liegt es auf der Hand, für den optimalen Zuschauerflow ein kompatibles Zeichentrickformat zu finden.
Die Serienmacherin Emily Spivey (The Last Man on Earth, Up All Night) hat sich wohl an dem langjährigen Erfolgsformat King of the Hill erinnert und lose danach das Konzept von Bless the Harts erstellt.
Die neue Serie spielt in den Südstaaten der USA und dreht sich um die Harts, die ständig pleite sind, nicht unbedingt zur Bildungselite gehören und sich im Auftakt nicht einmal die Wasserrechnung leisten können. Trotzdem lassen sie sich nicht unterkriegen und setzen alle Hebel in Bewegung, um die ausstehende Rechnung zu zahlen.
Jenny (Kristen Wiig) lebt mit ihrem Lebensabschnittsgefährten Wayne (Ike Barinholtz), ihrer Mutter Betty (Maya Rudolph) und ihrer Tochter aus einer früheren Beziehung, Violet (Jillian Bell), in einem Eigenheim zusammen, das schon bessere Tage gesehen hat.
Violet hat zwar ein eigenes Zimmer, doch das ist gleichzeitig Waschküche und Vorratskammer sowie Durchgangszimmer. Dafür ist sie künstlerisch begabt und zeichnet einen eigenen Comic, in dem sie sich eine alternative Welt zeichnet. Das sieht auch Wayne, der sich darin nur als Baumstumpf sieht und seiner Ziehtochter deswegen einen Traum erfüllen will, indem er ihr erträumtes Refugium aufbaut. Nur mit gefundenem Material und ohne großes Investment stellt er also ihre Fantasie nach, nur um von der Nachbarin beim Ordnungsamt verpetzt zu werden. Zwar ist er bereit für einen Kampf vor Gericht, wird jedoch abgeschmettert und so muss sein Konstrukt, das ihrer Vision erstaunlich nahekommt, wieder abgerissen werden. Immerhin kommt so heraus, dass Wayne den Comic einfach nicht weit genug gelesen hat und Violet ihn eigentlich als ihren Helden sieht und eher wenig mit dem leiblichen Vater anfangen kann.
You can't handle the truth
Jenny findet derweil heraus, dass man schon seit längerer Zeit für ein Lagerabteil zahlt. Dieses läuft auf Bettys Namen und sie lagert dort ausschließlich eine Wagenladung sogenannter „Hug N' Bugs“, eine Art 90er Jahre Furby-Verschnitt, der mit den damals angesagten Trends vermischt wurde. Notiz an die Schreiber dieser Folge: Es reicht nicht, eine Persönlichkeit der 90er plus ein oder zwei „Buzzword(s)“ zu nehmen, das zwanzigmal zu wiederholen und zu hoffen, dass das als tragender Gag der Folge ausreicht. Auch Bettys Freude für abgedroschene Memes ist kein zündender Gag und auch nicht das Vorlesen von Screennamen bei einem Aktionshaus. Nur bleibt sonst vom angeblichen „Humor“ kaum etwas anderes übrig...
Jenny versucht heimlich, die Figuren zu verkaufen. Es ist ausgerechnet Betty, die sie dann online kauft, was aber zunächst niemand ahnt und kurz darauf ist man der Bezahlung der Wasserrechnung kaum nähergekommen. Es ist okay, dass man zumindest mit einem so alltäglichen Problem wie der Wasserversorgung startet, aber leider ist alles drumherum wenig anziehend.
Auch den Zeichenstil finde ich persönlich wenig ansprechend. Man kann eine gute Serie auch mit krudem Stil machen (siehe frühe The Simpsons, South Park oder in gewisser Weise auch Bob's Burgers), aber allesamt hatten schon früh einen besonderen Charme, den ich bei Bless the Harts leider kaum sehe. Family Guy zeichnet sich durch absurden Humor und „Cutaways“ aus, „Bob's Burgers“ durch die Familiendynamik und eine besondere Wärme und „The Simpsons“ ist inzwischen einfach ein unkaputtbares Schlachtschiff, das bei den FOX-Chefs kaum wegzudenken ist. Bless the Harts hinterlässt kaum Eindruck und scheint ziemlich generisch zu sein, so dass ich eine Langlebigkeit auch nicht wirklich sehe.

An dem Sprechercast liegt das wahrlich nicht, denn Namen wie Kristen Wiig oder Maya Rudolph haben es schon drauf und auch Kumail Nanjiani als Ratgeber-Jesus entlockt einem zumindest den Hauch eines Schmunzelns. Aber eine Pilotfolge, besonders bei einer Animationsserie, hat nach meinem Verständnis die Aufgabe, einen guten ersten Eindruck sowie Lust auf mehr zu machen. Beides gelingt bei mir zunächst nicht. Allerdings muss ich auch anmerken, dass ich nie der größte King of the Hill-Fan war und ich etwas müde bin, was Figuren aus den Südstaaten als Witzfiguren angeht. So verbuche ich Bless the Harts als weiteres Experiment, das wahrscheinlich scheitern wird, wie schon Allen Gregory, Napoleon Dynamite, oder Sit Down, Shut Up, die allesamt nach jeweils nur einer Staffel wieder eingestellt wurden.
Fazit
Im Prinzip bin ich immer dafür, wenn Sender den Mut haben, neue Animationsserien für ein älteres Publikum auszuprobieren. Nur leider will das Format Bless the Harts bei mir nicht zünden. Ein uncharmanter Animationsstil, abgedroschene „Gags“, die totgeritten werden, und eine recht unkreative Prämisse werden nicht durch bekannte und fähige Synchronsprecher gerettet. So wird das nichts mit dem Ausbau des Animation-Domination-Sonntags.
Hier abschließend noch der Trailer zur neuen FOX-Serie „Bless the Harts“:
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 30. September 2019Bless the Harts 1x01 Trailer
(Bless the Harts 1x01)
Schauspieler in der Episode Bless the Harts 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?