American Horror Story 7x11

© harakterposter zu „American Horror Story: Cult“ / (c) FX
Als Anfang dieses Jahres mit der Trump-Ära das neue Thema der siebten Staffel American Horror Story bekanntgegeben wurde, überlegten wir von SERIENJUNKIES.DE® uns, wie die Starbesetzung aussehen könnte. Doch anders als vorher angenommen, wurden in „Cult“ nicht die Politiker und anderen Mitarbeiter des Weißen Hauses thematisiert. Stattdessen spielt die neue Staffel in der gut behüteten Vorstadt, die durch die Wahl von Trump zum Präsidenten der USA aus den Fugen gerät.
American HORROR Story
In den bisherigen Staffeln von American Horror Story wurde der Horror stets so eingesetzt, dass er zwar mit unseren Ängsten spielt, aber unserer eigentlichen Realität nicht zu nahe kommt. So ist die Inszenierung von Asylum sehr gruselig und furchterregend gestaltet, jedoch ist diese in der Vergangenheit angesiedelt, so dass diese einem nicht allzu viel anhaben kann. Mit den anderen Staffeln verhält es sich, bis auf kleine Unterschiede, genauso. Die jetzige Staffel stellt nun jedoch eine besondere Ausnahme dar.
Denn indem die Staffel nicht in einer realistischen, sondern auch der realen Welt angesiedelt ist und deren Situation als Grundgerüst nimmt, wagt „AHS“ etwas, was man sonst vorher noch nie ausprobiert hatte. Hierbei muss jedoch die Frage gestellt werden, ob genau dieser Umstand nicht dazu führt, dass der Serie ihr Horrorelement geraubt wird. Oder sorgt diese so realitätsnahe Inszenierung viel eher dafür, dass uns der Horror in unserem Leben und unserer Welt nur allzu stark vor Augen geführt wird? Wird dadurch nicht vielleicht sogar der Horror, der die Serie normalerweise erzeugt, verstärkt? Für mich ist diese Frage beinahe unmöglich zu beantworten und ich bin der Meinung, dass das jeder für sich entscheiden muss, nachdem er die Staffel gesehen hat.
Diese Frage ist aber insofern auch schwer zu beantworten, dass die Art des Horrors - wie oben bereits beschrieben - sich zu stark von den vorherigen Vorgehensweisen unterscheidet. Dieser war sonst eher subtil oder sehr abstrakt. Nun bekommen wir jedoch eine Figur vorgesetzt, die auch genauso gut aus unserer Welt gerissen werden kann. Dadurch wirkt es vielleicht zu real, wodurch man dieses nicht mehr als Horror anerkennen kann. Mir persönlich hat der Staffel tatsächlich der Horror gewaltig gefehlt. Ich habe mich zwischenzeitlich sogar gefragt, was das denn nun überhaupt noch mit der ursprünglichen Serie zu tun hat. Nun aber genug zu den Horrorelementen der Serie. Jetzt geht es ran an den Speck!
Cult
Wie der Name der Staffel bereits sagt, bekommt man in dieser Staffel einen Einblick in das Leben eines Kultes. Wenn man die Geschichte so betrachtet, stellt sich das alles schon ganz anders dar. Hier sind die Horrorelemente vorherrschend. Dieser Kult ist durchaus furchteinflößend. Auch hier kommt wieder ein Realitätsfaktor mit ins Spiel, denn Kulte sind sehr real. Diese existieren schon seit einem geraumen Zeitraum, haben fast nie Gutes bewirkt und sind auch fast nie gut ausgegangen - wie uns diese Staffel klarmachen will.
Diese Infos werden in „Gute Nacht“-Geschichten eingehüllt, die uns von niemand Geringerem als dem Anführer des Kults, Kai (Evan Peters), erzählt wierden. Dessen Anhänger finden diese Geschichten beruhigend und freuen sich wie kleine Kinder auf diesen Teil des Tages. Das wurde von Ryan Murphy mit Absicht so inszeniert. Dadurch wird einem erneut die Ironie der Situation vor Augen geführt, was letzten Endes auch dazu führt, dass wir der Selbstironie der Serie selbst ins Gesicht sehen müssen.

Dabei treten die Anführer dieser Kulte stets in Form von Evan Peters auf, wodurch die Parallelen ebendieser Kulte kaum mehr zu übersehen ist. Dabei wird man über ehemalig bestehende Kulte auf satirische Weise informiert. So ganz mögen diese Rückblenden jedoch nicht in die eigentliche Handlung passen. Also präsentiert uns die Serie eine ironische Darstellung eines Kultes, die einen Trump-fanatischen Anführer hat und in der Trump-Ära spielt. Wenn man die jetzige Staffel von dieser Warte aus betrachtet, wird man vielleicht weniger von der Umsetzung enttäuscht, als wenn man jetzt die große Trump-Staffel erwartet, die sich mit relevanten Themen unserer Zeit und Trumps Politik auseinandersetzt.
I don't want to be an icon.
Abgesehen davon ist diese Staffel genauso blutrünstig und gewalttätig wie der restliche Teil der Serie - wenn nicht sogar noch mehr. Darauf kann man sich bei „AHS“ stets verlassen. Ein weiteres Element, das die Serie in jeder Staffel auszeichnet, sind die wiederkehrenden Schauspieler in unterschiedlichen Rollen. So spielen auch dieses Mal Evan Peters und Sarah Paulson aus der Stammbesetzung mit. Abgesehen davon war dieses Mal lediglich eine Gastrolle für Emma Roberts drin.
Die zwei genannten Stammschauspieler stellen nun in „Cult“ die zwei Anker dar oder besser gesagt, sie bilden die Kernpunkte der zwei politischen Parteien. Ally (Paulson) ist eine lesbische Vorstadtmutter, die von ihren Phobien (vor Clowns und Löchern) geplagt wird, und Kai (Peters) ist ein narzisstischer und idealistischer junger Mann mit Wahnvorstellungen, der sich die Weltherrschaft an die Brust reißen will. Dabei entfacht sich relativ schnell eine Bösewicht-Opfer-Beziehung zwischen den beiden.
Mit der Zeit wird deren Dynamik jedoch umgedreht, so dass sich Ally von einem Opfer zu einer starken Frau entwickelt. So gerne man diese Entwicklung auch sehen mag, so plötzlich kommt diese auch. Dadurch erscheint diese mehr gewollt als tatsächlich gekonnt. Außerdem stellt auch Kai keinen allzu besonderen Bösewicht dar. Bei dem Versuch, ihn ironisch zu gestalten, rutscht die Serie schnell in Klischees ab. Dadurch kann man diesen nicht unbedingt ernst nehmen. Zudem erscheinen alle Versuche, Kai zu vernichten, doch zu leicht zu scheitern.

Abgesehen von den zwei Figuren werden uns zwar noch andere Charaktere vorgestellt und ihre Hintergrundgeschichte erzählt, jedoch spielen diese am Ende keine allzu große Rolle. Man könnte sogar sagen, dass sie nur Sand im Getriebe und dadurch unnötig für die Erzählung waren. Die Figuren waren zwar ganz schön und stellenweise auch individuell gestaltet, jedoch sind letzten Endes beinahe alle - aus dem einen oder andere Grund - tot. Außerdem könnte man fast behaupten, dass manche der Figuren einfach untereinander austauschbar wären. Ihnen wird zwar mit der Zeit eine Persönlichkeit, eine Hintergrundgeschichte und ein Leitmotiv gegeben, jedoch verfällt dieses wieder innerhalb kürzester Zeit.
An dieser Stelle möchte ich auch anmerken, dass insbesondere zur zweiten Hälfte der Staffel die Unglaubwürdigkeit der Figuren stetig zunimmt, bis sie beinahe ins Unermessliche erwächst. Ein Beispiel hierfür ist, dass sich die Figuren immer wieder gegenseitig Zusammenhalt schwören und in der nächsten Sekunde demjenigen in den Rücken fallen. Wäre das jetzt ein- oder zweimal der Fall und würde es stets als großer Plottwist fungieren, wäre ich mit diesem erzählerischen Mittel noch einverstanden gewesen. Hier wird dieses Mittel jedoch so oft gebraucht, dass es so sehr an Bedeutung verliert, dass man dessen nur noch müde und leid werden kann.
Fazit
American Horror Story: Cult hat mit der ursprünglichen Serie American Horror Story nicht mehr allzu viel gemein. Sie bringt einen weder zum Schaudern noch zum Fürchten. Es kommen keine typischen Horrorelemente darin vor. Das einzige Sichtbare, was die Staffel und der restliche Teil der Serie gemein haben, sind die Stammdarsteller, wobei davon auch nur noch Evan Peters und Sarah Paulson übriggeblieben sind. Aus diesen Gründen sollte man nicht erwarten, dass einem die aktuelle Staffel von „American Horror story“ dieselben Gefühle bringen wird wie die Vorherigen. Ist man sich dieses Umstandes jedoch bewusst, kann man sich durchaus an die Staffel herantrauen.
All diejenigen, die von dieser Staffel den üblichen Horror erwarten, der unterschwellige Ängste thematisiert, sind bei dieser Staffel falsch. Jemand, der sich jedoch etwas anschauen möchte, was durchaus real ist, aber sehr zugespitzt dargestellt wird, der könnte an dieser Staffel Gefallen finden. Dabei entwickelt sich die Serie von einer Parodie der aktuellen Situation in den USA zu einer Parodie ihrer selbst. Wird also in der als „Trump-Staffel“ angepriesenen Staffel die Trump-Ära gekonnt inszeniert? Eher nicht. Viel mehr ist es eine Serie über einen Kult, der sich Trump als Vorbild nimmt und Sprüche von Trump-Anhängern so oft verlauten lässt, dass „Cult“ nur noch als Satire betrachtet werden kann.
Verfasser: Maike Karr am Samstag, 18. November 2017American Horror Story 7x11 Trailer
(American Horror Story 7x11)
Schauspieler in der Episode American Horror Story 7x11
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