American Horror Story 10x01

© oster zur neuen Season der Serie American Horror Story: Red Tide (und Double Feature) (c) FX
Fliegende Wechsel
Wir erinnern uns: Noch vor dem offiziellen Beginn der Corona-Pandemie war hierzulande ab Herbst 2019 die neunte Staffel von American Horror Story mit dem Untertitel „1984“ beim Bezahlsender FOX Channel zu sehen, wie immer ein paar Monate nach der US-Premiere auf dem Sender FX. Zu dieser Zeit war bereits bekannt, dass das Produzentengespann Ryan Murphy und Brad Falchuk die Erfolgsserie um gleich vier weitere kommende Staffeln erweitern würden. In der zehnten Staffel, soviel war ebenfalls bereits recht bald zu erfahren, würde die teilweise wiederkehrende Darstellerriege um den einstigen Kinderstar Macaulay Culkin (1990 als „Kevin: Allein zu Haus“ bekanntgeworden) und verschiedene andere Novitäten ergänzt werden (wie man später erfuhr vor allem die, dass sie diesmal gleich zwei Haupt-Handlungsstränge beinhaltete).
Da schlug die höhere Gewalt zu: Aufgrund der Corona-Pandemie konnte die zehnte Serienstaffel von American Horror Story, deren Titel „Double Feature“ lauten sollte, nicht für die Ausstrahlung im Sommer beziehungsweise Herbst 2020 fertiggestellt werden und man verschob sie kurzerhand um ein Jahr. Als kleines Trostpflaster erschien im September 2020 bei Netflix jedoch die Serie Ratched, die von Ryan Murphy (einem der beiden Showrunner von American Horror Story und Stamm-Schauspielerin Sarah Paulson, die auch die Titelrolle spielte, produziert worden war. Die Serie gehörte zwar nicht zum Serienuniversum von AHS, wie American Horror Story gern von seinen Fans abgekürzt wird, doch erinnerte die im Horror-Genre angesiedelte Vorgeschichte der bösen Krankenschwester aus dem Filmklassiker „Einer flog über das Kuckucksnest“ in vielem daran, sodass viele Fans sie als eine Art Quasi-Ersatz für die ausgefallene Staffel ansahen.
Ein weiterer Punkt, den es zumindest hierzulande zu klären galt war, dass der Bezahlsender FOX nach über 13 Jahren ab dem 30. September 2021 seinen Sendebetrieb einstellte. Da FOXs anderes Horror-Zugpferd, The Walking Dead für seine abschließende Staffel zum neuen Spartenkanal STAR des Streaming-Dienstes Disney+ überwechselte, der die neuen Folgen kurz nach US-Erstausstrahlung veröffentlichte, wurde anfangs davon ausgegangen, dass auch American Horror Story seine neue Heimat dort finden würde.
Doch das war nur (nicht ganz) die halbe Wahrheit: Zwar veröffentlichte STAR ab 8. September die 7-teilige Ablegerreihe American Horror Stories, in der einige Handlungsstränge aus der Hauptserie wieder aufgegriffen und vertieft werden, doch die ersten neun Staffeln von American Horror Story blieben nach wie vor bei Netflix. Kurz darauf dann die Entwarnung: Der auf die Publikumsgruppe der 14- bis 39-jährigen ausgerichtete Bezahlsender ProSieben Fun übernahm ab dem 22. Oktober 2021 die Ausstrahlung von „Double Feature“, welche am 31. Dezember beendet sein wird.
Grund genug, hier bei Serienjunkies einen Blick auf die neue Staffel zu werfen. Und da Season 10 von American Horror Story wie bereits erwähnt diesmal gleich zwei verschiedene Handlungsstränge mit den Titeln „Red Tide“ und „Death Valley“ erzählt, geschieht dies passenderweise in Form eines Zweiteilers: Wie immer arm an, aber deswegen nicht frei von Spoilern.
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Staffel 10, Teil 1: Red Tide
Episode 10.1 (Gesamtfolge 104): Kap der Angst (Cape Fear)

Der unter einer Schreibblockade leidende Drehbuch-Autor Harry Gardner (Finn Wittrock), seine schwangere Frau Doris (Lily Rabe), eine wenig erfolgreiche Innenausstatterin und ihre kleine Tochter Alma (Ryan Kiera Armstrong), die von einer Karriere als Geigenvirtuosin träumt, überwintern im abgelegenen Küstenstädtchen Provincetown, um sich dort in unterschiedlichster Weise von der Muse küssen zu lassen. Recht bald machen sie die Bekanntschaft ein paar anderer Bewohner Provincetowns: Das erfolgreiche Autorenpaar Belle Noir (Frances Conroy) und Austin Sommers (Evan Peters) auf der einen sowie Stricher Mickey (Macaulay Culkin) und die dauerhustende heruntergekommene Karen (Sarah Paulson) auf der anderen Seite.
Auf unterschiedlichste Weise erfahren die Gardners, vor allem Harry, von den dunklen Geheimnissen der Stadt: Auf den Straßen treibt sich eine Horde kahlköpfiger zombiehafter Junkies herum, welche Polizeichefin Burleson (Adina Porter) trotz eines Übergriffs für harmlos hält, während Belle und Austin ihn in das ungeheuerliche Geheimnis ihres Erfolges einweihen.
Trotz des auf den gleichnamigen Thriller verweisenden Titels erinnert die Eröffnungsfolge von „Red Tide“ mehr an den auf Stephen King basierenden Horrorklassiker „The Shining“ mit Jack Nicholson und gestaltet sich (wie bei der Serie meistenteils obligatorisch) bereits von Beginn an unheilschwanger und beklemmend. Allerdings findet sich für Autor Harry eine zumindest anfangs weit bessere Lösung für seine Schreibblockade als einst beim unglücklichen Jack Torrance aus „The Shining“, während Lily Rabe als hysterische, von ihrer Angst vor diversen Krankheiten wie etwa Borreliose besessene Doris auf (voll und ganz darstellerisch gewollten) Nerv-Kurs geht.
Episode 10.2 (Gesamtfolge 105): Durst (Pale)
Nachdem er von seinen neuen Freunden Belle und Austin eine geheimnisvolle schwarze Pille mit dem Namen Muse erhalten hat, die er erst nach einigem Zögern einnimmt, steigert sich Harrys Kreativität ins schier Unermessliche, während seine Frau mit ihrer Arbeit nach wie vor nicht vorankommt. Tochter Alma hadert derweil mit den schwierigen Stücken Paganinis, die sie unbedingt beherrschen können will und beginnt, ihren Vater um seine ungeheure Kreativität zu beneiden. Heimlich entwendet Alma eine der Pillen und schluckt sie.
Die Droge besitzt, wie sich bald zeigt, allerdings eine schwerwiegende Nebenwirkung, die Belle und Austin Harry verschwiegen haben: Er beginnt plötzlich, unbändiges Verlangen nach Blut zu verspüren. Zumindest anfangs kann er diesen noch mit dem zusammengelaufenen Fleischsaft aus den Plastikverpackungen von Rindersteaks stillen, doch seine beiden neuen Freunde haben längst andere Möglichkeiten erschlossen, um ihren extremen Blutdurst zu befriedigen. Auch bei Alma, deren Geigenspiel sich nahezu perfektioniert und die deswegen in einen schwerwiegenden Konflikt mit ihrer Mutter gerät, setzen recht bald die mörderischen Nebenwirkungen ein.
Während die chronologische Handlung ziemlich rasant voranschreitet, erfährt der Zuschauer auch peu a peu mehr über die Hintergründe der Nebencharaktere. Sowohl Sarah Paulson in absolut bemerkenswerter Maske als zerfallene schwindsüchtige Karen als auch der frühere Kinderstar Macaulay Culkin als drogensüchtiger Möchtegern-Autor Mickey, der sich als Strichjunge über Wasser hält und die die Nebenhandlung bestreiten, legen hier ausgesprochene darstellerische Glanzleistungen aufs Parkett. Die erzählte Geschichte, die sich nunmehr vom Feeling her von „The Shining“ auf das Vampirgenre verlegt, bietet sicher keine ganz großen Überraschungen, ist jedoch nach wie vor für durchaus spannende Unterhaltung gut und sorgt mit vielerlei Anspielungen und mal mehr, mal weniger Splatter-Faktor dafür, dass der geneigte Zuschauer bei der Stange bleibt.
Episode 10.3 (Gesamtfolge 106): Unersättlich (Thirst)

Da Harry mittlerweile einen potenziellen Hit nach dem anderen quasi ohne Pause schreibt, erhält er Besuch von seiner überdrehten Managerin Ursula Khan (Leslie Grossman), während seine Frau Doris zunehmend schlechter mit den Höhenflügen ihres Gatten zurechtkommt, der sich auch charakterlich zu verändern beginnt. Mittlerweile kann Harry seinen Blutdurst kaum noch mit Fleisch aus dem Supermarkt befriedigen und trägt sich zeitweise mit dem Gedanken, die Einnahme von Muse (so der Name der schwarzen Pillen) einzustellen.
Belle und Austin jedoch zeigen ihm eine andere Möglichkeit auf, der Begierde nachzukommen: Sie decken ihren Blut-Bedarf bei zumeist drogensüchtigen Hehlern, auf deren Verkaufsannoncen von gestohlenen Gütern sie zum Schein eingehen, um sie anschließend zu töten und sich an ihnen zu laben. Für Probleme sorgt erwartungsgemäß die Erkenntnis der beiden, dass auch Alma nunmehr zu den Muse-Konsumenten gehört. Ursula ist durch den verkappten Autor Mickey mittlerweile sowohl hinter das Geheimnis um die schwarzen Pillen als auch das der kleinen Alma gekommen, die ihrerseits ebenfalls neue Methoden gefunden hat, um an Blut zu gelangen.
Ab dieser Folge nimmt die Serie endgültig an Fahrt auf und lässt bereits in der einen und anderen Weise erahnen, wohin die Reise in den drei restlichen Folgen der ersten Hälfte der „Double Feature“ gehen wird. Dabei wird weder an der nach wie vor recht ansehnlichen Spannung (die bei vorherigen Seasons von American Horror Story zuweilen ein wenig litt) noch am Splatter-Faktor gespart. Dieser wird jedoch wohldosiert genug eingesetzt, um den Horror der Geschehnisse zu unterstreichen statt ihn ersetzen zu wollen.
Zwar kein echter Kritikpunkt, aber dennoch auffällig: Im Gegensatz zu anderen Ensemble-Darsteller:innen wie Sarah Paulson oder Frances Conroy erreicht Leslie Grossmann, hier als boshafte Ursula Khan zu sehen, bei Weitem nicht deren schauspielerische Bandbreite und spielt de facto zum vierten Mal seit ihrem Serieneintritt in der Staffel „Cult“ 2017 die gleiche Art Seriencharakter.
Episode 10.4 (Gesamtfolge 107): Blood Buffet (Die Chemikerin)
In einem Rückblick ist zu erfahren, wie die geheimnisvolle Chemikerin (Angelica Ross) fünf Jahre vor den aktuellen Geschehnissen nach Provincetown kommt und den unglücklichen Mickey dazu anschirrt, Versuchskaninchen für ihre in Entwicklung befindliche Wunderdroge herbeizuschaffen. Das erste davon, Mickeys Kumpel Vlad (Spencer Novich), der versucht, Karriere als Sänger zu machen, verliert von der Droge seine Haare und verwandelt sich in eine der monströsen Kreaturen, die Jahre später das nächtliche Provincetown bevölkern werden.
Die Chemikerin führt dies daraufhin zurück, dass Muse nur bei wirklich Talentierten wirkt und andere Menschen, die es konsumieren, zum Monster macht. Deutlich wirkungsvoller erweist sich Muse hingegen bei der verhuschten Hobbyautorin Sarah Cunningham, die unter der Fuchtel ihres tyrannischen Ehemannes Ray (Jim Ortlieb) steht: Aus ihr wird dank Muse die berühmte Belle Noir, die sich recht schnell ihres ebenso widerlichen wie hinderlichen Gatten entledigt. Sie ist es auch, die den heruntergekommenen, als Drag Queen auftretenden Austin mit Muse vertraut macht.
Fans wissen: Solche Rückblicke haben Tradition bei American Horror Story, und auch in der aktuellen Staffel gibt es keine Ausnahme. Erneut zeigt sich dabei das ausgesprochene Talent der Serienautoren für die Entwicklung der agierenden Charaktere, wenn etwa aus der unterdrückten Sarah der Vamp Belle Noir wird oder eine glücklose Drag Queen sich zum Autoren-Wunderkind wandelt. Ferner klärt der Rückblick sowohl über die Entstehung der Wunderdroge auf als auch die Herkunft jener blassen kahlen Schreckgestalten, die nicht von ungefähr an F.W. Murnaus unsterblichen „Nosferatu“ erinnern (bereits in früheren Serienstaffeln wurde die Bewunderung der Macher für das Werk des expressionistischen Filmemachers deutlich): Derartige Hommagen sind immer wieder Bestandteil der Serie.
Episode 10.5 (Gesamtfolge 108): Gaslight (Manipuliert)
Bei Doris haben die Wehen eingesetzt und im Krankenhaus bringt sie den kleinen Eli zu Welt. Um zu verhindern, dass Doris davon erfährt, dass Harry und Alma unter dem Einfluss von Muse stehen, wird sie nach ihrer Heimkehr von ihnen und von Ursula, die sich mittlerweile im Haus der Gardners einquartiert hat, unter Drogen gesetzt. Nach einem schlimmen Vorfall weiht Alma Doris in das Geheimnis ein und überredet sie dazu, ebenfalls eine der Pillen zu nehmen - mit fatalen Folgen. Belle will Karen derweil dazu überreden, den kleinen Eli zu entführen und zu ihr zu bringen, da Baby-Blut ganz besonders nahrhaft für die Muse-Abhängigen ist. Nachdem eine wahrhaft schauerliche Begegnung vorgefallen ist, gibt diese das Vorhaben jedoch auf und flüchtet aus dem Haus der Gardners. Hier wird sie von den blassen haarlosen Ungeheuern angegriffen. Ihr alter Freund Mickey, der ihr vermeintlich zu Hilfe kommt, stellt sie vor die Wahl: Entweder selbst eine Pille zu nehmen oder von den Geschöpfen getötet zu werden.
Die Ereignisse überschlagen sich, während sie auf das unvermeidliche Finale zusteuern und obwohl das Szenario durchaus ins Wirre und mitunter Surreale abgleitet, bleibt es dennoch in sich schlüssig, nachvollziehbar und auch weiterhin spannend. Für eine der schockierendsten Wendungen in der ganzen bisherigen Serie sorgt das Schicksal von Doris Gardner, auf das jedoch aus Spannungsgründen an dieser Stelle nicht eingegangen werden soll. Es sei nur soviel gesagt, dass American Horror Story auch in ihrem zehnten Jahr gekonnt an den ausgesprochenen Urängsten der Zuschauer zu rühren versteht und auch vor ausgesprochenen Tabus anderer Horrorserien nicht zurückschreckt. Bisher jedenfalls sieht es ganz danach aus, als würden die ausgesprochenen Lieblingsstaffeln der Serienfans mit der „Double Feature“ möglicherweise um eine weitere ebensolche ergänzt werden.
Episode 10.6 (Gesamtfolge 109): Winter Kills (Finale in L.A.)

Als die Leiche von Polizeichefin Burleson aus dem Wasser gezogen wird, wird die Lage von Harry und Alma brenzlig. Harry bedrängt seine Tochter, das Muse aufzugeben, was zu einem erbitterten Streit zwischen den beiden führt. Als der kleine Eli entführt wird und Harry Belle Noir verdächtigt, führt Ursula die blassen Muse-Opfer gegen Belle und Austin ins Feld. Doch auch Harrys Schicksal ist besiegelt, als Alma ihn zu ihrem Opfer macht und tötet, anschließend schließt sie sich Ursula und der Chemikerin als ihre neue Familie an und geht mit den beiden nach Los Angeles. Hier kann sie ihre mittlerweile komplett mörderische Natur vollends ausleben. Die Geschehnisse eskalieren vollends, als Ursula an einer Universität während eines Schreibkurses die schwarzen Muse-Pillen an die Studenten verteilt, von denen sich ein Großteil in die haarlosen Pseudo-Untoten verwandelt, um anschließend wie in einer Zombie-Apokalypse in der Stadt umzugehen.
Und mit dem hierbei entstehenden heillosen Chaos endet die erste Hälfte der neuen Staffel „Double Feature“ von American Horror Story. Konsequent grausam, reichlich blutig, definitiv schockierend, in vielerlei Hinsicht auch ziemlich kryptisch, aber gewissermaßen auch in sich abgeschlossen, was natürlich vor allem eine Frage aufwirft: Inwiefern werden die erste und die zweite Hälfte der Doppelvorstellung handlungsmäßig miteinander verknüpft sein? In der Geschichte der Serie kam es bekanntlich schon öfter vor, dass Bezüge der einzelnen Staffelhandlungen zueinander aufgetan wurden.
Ob dies auch im Falle von „Death Valley“, der zweiten Hälfte von Staffel zehn eintreten wird oder aber eine vollkommen andere Geschichte darin erzählt wird, lässt sich natürlich erst dann sagen, wenn die in diesem Fall nur vier Folgen hierzulande gezeigt worden sind (was am 31. Dezember der Fall sein wird). Selbstverständlich werden wir dann an dieser Stelle mit Teil 2 des Reviews der restlichen Episoden wieder zurückkehren.
Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Season der Serie „American Horror Story“, die vor einiger Zeit in den USA beim Kabelsender FX gestartet war:
Du kannst die Serie „American Horror Story“ jetzt sofort bei Amazon Prime Video, Netflix oder iTunes streamen.
Verfasser: Thorsten Walch am Dienstag, 21. Dezember 2021American Horror Story 10x01 Trailer
(American Horror Story 10x01)
Schauspieler in der Episode American Horror Story 10x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?